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Buch von Ex-Geisel Eli Sharabi: "Ich wollte ein menschliches Wesen bleiben"

Eli Sharabi
Eli Sharabi (© AFP)

491 Tage war Eli Sharabi in Geiselhaft in Gaza - und hat darüber ein Buch geschrieben. Darin schildert der Familienvater, wie er auch in den dunkelsten Stunden durchgehalten hat, um zu überleben.

Eli Sharabi blickt hinaus aufs Meer. Die Wellen brechen sich am Strand von Herzliya unweit von Tel Aviv. Ein Jahr ist her, dass der 53-Jährige durch einen Geiseldeal mit der Hamas im Gazastreifen freikam.

491 Tage lang war der Familienvater aus dem Kibbuz Beeri eine Geisel der Terrororganisation Hamas, verbrachte die meiste Zeit ohne Sonnenlicht in den Tunneln im Gazastreifen. Es bedeute Freiheit, das Meer zu sehen und den Wellen zuzuhören, erzählt er. "Davon haben wir 50 Meter unter dem Boden nur geträumt. Ich habe Glück, hier am Leben zu sein, in Freiheit."

Das Meer erinnere ihn an seinen Bruder Yossi, der gerne surfte. Yossi Sharabi wurde auch am 7. Oktober 2023 entführt. Er starb in Gefangenschaft bei einem Luftangriff. Immer wieder holen Eli Sharabi die Erinnerungen an den 7. Oktober ein - als Hunderte Terroristen den Kibbuz Beeri überfielen.

Eli war mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern, 13 und 16 Jahre alt, in den Schutzraum ihres Hauses geflüchtet.

Die Terroristen lachten und filmten

Bevor er durch den Zaun nach Gaza in ein gestohlenes Auto gezerrt wurde, sie ihn mit einer Decke zudeckten, habe er mehr als 100 Terroristen gesehen. Sie seien in jedem Haus gewesen.

Er habe das brennende Haus eines Freundes gesehen, den sie getötet hatten. Die Terroristen lachten dabei und filmten sich. Das werde er nie vergessen, sagt Eli Sharabi und hält inne. Er habe in einen Überlebensmodus geschaltet.

In der Gefangenschaft habe er das Gefühl gehabt, "wenn dich etwas töten kann, dann ist es der Hunger."

Manchmal habe es eine Schüssel Pasta gegeben, berichtet er. "Dann musst du 24 Stunden warten, bis es wieder etwas zu essen gibt. Du zählst jedes Reiskorn. Du teilst es mit anderen Geiseln. Wenn du stirbst, kannst du sagen, du hast versucht, ein Mensch zu bleiben und dass du fair zu deinen Freunden warst."

Nach einem Monat wurde Eli in einen Hamas-Tunnel gebracht, wo er andere Geiseln traf. Hersh Goldberg Polin und Ori Danino wurden später von der Hamas erschossen. Sie hätten sich geholfen, zu überleben. Er habe versucht, für Disziplin beim Aufteilen von Essen zu sorgen - gegen den Hunger.

Gewichte heben - mit einer Wasserflasche

Es sei wichtig gewesen, eine Routine zu haben. Morgens hätten sie gebetet, mittags versucht zu essen. Obwohl er mit einer Eisenkette angekettet war, für 485 Tage, sagt Eli, habe er versucht, etwas zu gehen. Gewichte heben mit einer Wasserflasche, um bei Kräften zu bleiben.

Die Angst sei ständiger Begleiter gewesen: "Du siehst die geladenen Waffen, sie halten sie dir an den Kopf, bedrohen dich. Du hast immer Todesangst." Was ihm geholfen habe, sei sein Versprechen an seine Frau und seine Töchter gewesen, dass er wiederkomme.

Er erzählt, dass er die anderen Geiseln ermuntert habe, jeden Tag von etwas Positivem zu erzählen, um das Eingesperrtsein psychisch zu überstehen, etwa dass es mal Tee gab oder dass die Entführer sie einen Tag lang nicht quälten.

Spitznamen für die Geiselnehmer

Für die Geiselnehmer habe er sich Namen ausgedacht wie Dreieck, Kreis oder Maske, schreibt Eli in seinem Buch "491 Tage", in dem er die Grausamkeiten minutiös beschreibt.

Sie seien ausgehungert und geschlagen worden, hätten sich nur alle sechs Wochen waschen dürfen. Die Terroristen hätten ihnen erzählt, dass sie 20 Jahre lang bleiben müssen, dass ihr Land und ihre Familien sie vergessen hätten. Der Verlust der Kontrolle über das eigene Leben sei das Schlimmste gewesen.

Trauer um Frau und Töchter

Eines Tages habe ein Entführer gesagt, er habe Sharabis Frau und Kinder im Fernsehen gesehen. Das sei das einzige Mal gewesen, dass er in Gaza weinte, sagt Sharabi.

Als er nach 491 Tagen durch Verhandlungen freikam, wog er noch 44 Kilogramm. Die Aussicht, seine Familie wiederzusehen, habe ihn angetrieben:

Er will nicht zurück ins Kibbuz

Am Grab habe er sich bei seiner Familie entschuldigt, dass er sie nicht beschützen konnte. Sharabi hat sich vorgenommen, nach vorne zu blicken. Doch noch immer ist die Waffenruhe brüchig. Die Hamas und die israelische Armee liefern sich weiter Gefechte. Viele, die einst in Beeri wohnten, wollen nicht zurück in ihr Kibbuz, auch Sharabi nicht.

"Wenn die Hamas in ein bis zwei Jahren noch immer das Sagen im Gazastreifen hat, wird es weitergehen. Sie werden Israel niemals als Staat anerkennen." Sie wollten Israel zerstören - "das haben sie uns dauernd gesagt. Und dass sie wiederkommen, um uns zu töten."

Er könne nichts tun, um seine Familie zurückzubringen, sagt Eli Sharabi. Oft komme er hierher ans Meer, wo er mit seiner Familie war, oder sitze im Auto und mache die Musik an, die er mit seinen Töchtern gehört hat.

Bundestagspräsidentin: Klöckner reist zu Antrittsbesuch nach Israel

Julia Klöckner.
Julia Klöckner. (© AFP)

Seit knapp einem Jahr ist Julia Klöckner Bundestagspräsidentin, heute reist sie in dieser Funktion erstmals nach Israel. Vorab kritisiert sie die starke Zunahme von Antisemitismus in Deutschland.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner reist heute zu einem dreitägigen Antrittsbesuch nach Israel. Die CDU-Politikerin folgt einer Einladung ihres Amtskollegen Amir Ohana.

Im Gespräch mit dem Präsidenten der Knesset und weiteren Politikern soll es nach Angaben des Bundestags vor allem um die bilateralen Beziehungen, die Lage in der Region, die geopolitische Situation sowie die Cybersicherheit zum Schutz der Parlamente gehen.

Vorgesehen sind unter anderem auch Treffen mit Oppositionsführer Jair Lapid und mit der deutsch-israelischen Freundschaftsgruppe der Knesset. Klöckner will außerdem in Yad Vashem der von den Nationalsozialisten ermordeten etwa sechs Millionen Jüdinnen und Juden gedenken.

Kritik an Antisemitismus in Deutschland

Sie will auch das Nova-Festival-Memorial aufsuchen, das an die Opfer des Überfalls der Terrormiliz Hamas am 7. Oktober 2023 erinnert. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel kritisierte die CDU-Politikerin, dass mit diesem Angriff auf Israel Judenhass weltweit wieder salonfähig geworden sei.

Auch auf deutschen Straßen sei der Überfall gefeiert worden. "Sicher, der Antisemitismus bei uns war nie weg. Seit jenem 7. Oktober erlebt er aber eine schreckliche, hemmungslose Konjunktur", schrieb Klöckner. Das barbarische Morden und Verschleppen durch die Hamas habe "Dämme brechen lassen."

Tarifrunde der Länder: Warnstreiks fast im ganzen Bundesgebiet

Beschäftigte sind mit Warnwesten vor dem Eingang zum Uniklinikum Jena unterwegs
Beschäftigte sind mit Warnwesten vor dem Eingang zum Uniklinikum Jena unterwegs (© Martin Schutt/dpa)

Streiks an Unikliniken, Hochschulen oder Kitas: Im Tarifstreit für den öffentlichen Dienst der Länder wollen die Gewerkschaften den Druck erhöhen. Von den Arbeitgebern kommt Kritik: Erst streiken und dann verhandeln zerstöre Vertrauen.

Am morgigen Mittwoch wird - voraussichtlich zum letzten Mal in dieser Tarifrunde - über die Löhne der Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder verhandelt. Heute wollen die Gewerkschaften mit Warnstreiks fast im gesamten Bundesgebiet - einzige Ausnahme ist Hessen - den Druck auf die Arbeitgeber noch einmal erhöhen. Betroffen sind vor allem Uni-Kliniken, Hochschulen und Straßenbau-Verwaltungen. In einigen Bundesländern sollen auch Kitas und Schulen bestreikt werden.

In Baden-Württemberg sind alle Landeseinrichtungen zum Streik aufgerufen, darunter Universitäten, Hochschulen, Studierendenwerke, der Stuttgarter Zoo Wilhelma, Museen und Behörden.

In Bayern sollen die Beschäftigten der sechs Unikliniken streiken sowie die an Universitäten und einigen Hochschulen. Zudem ruft die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zum Protest etwa in der zentralen Bußgeldstelle auf. Insgesamt sind etwa 150.000 Beschäftigte zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Große Kundgebungen sind in München und Erlangen geplant.

Unterrichtsausfall in Thüringen

Auch in Thüringen wird gestreikt: Im Freistaat fallen zum Teil Unterricht und Betreuungsangebote wie der Schulhort aus. In Jena werden Beschäftigte von Hochschulen, Schulen und Horten sowie Kindergärten des Studierendenwerks zur zentralen Kundgebung erwartet. Auch am Uniklinikum Jena soll gestreikt werden.

In Nordrhein-Westfalen sind ebenfalls Tausende Beschäftigte zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Am Landtag in Düsseldorf ist eine Großdemonstration geplant. Erwartet werden Beschäftigte von Schulen, Unikliniken, Polizei, Behörden, Justiz und Landesverwaltung.

Landesweite Ausstände sind auch in Niedersachsen und Bremen geplant. Betroffen sind unter anderem die Unikliniken, der Hafenbetreiber NPorts und die Landesstraßenbauverwaltungen. Autofahrer müssen sich auf gesperrte Tunnel und Brücken einstellen. Es sei das erste Mal im laufenden Tarifstreit, dass alle Bereiche am selben Tag bestreikt würden, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di.

Gegen die "Kälte der Arbeitgeberpolitik" in die Elbe

"Wir gehen baden, damit der Norden nicht absäuft", heißt das Streik-Motto des Nordverbundes des Deutschen Beamtenbundes (dbb), der in Hamburg etwa 3.000 Menschen zu einer Demo am Elbufer erwartet. Einige Protestierende wollen in die Elbe steigen, um ein Zeichen gegen die "Kälte der Arbeitgeberpolitik" zu setzen. Durch den Warnstreik kann es unter anderem bei der Containerabfertigung im Hamburger Hafen zu Verzögerungen kommen.

In Berlin werden Kitas, Schulen und Bezirksämter vom Streik betroffen sein. In Brandenburg sind unter anderem die Mitarbeiter der Polizei sowie der Landesministerien und ihrer nachgeordneten Behörden aufgerufen, die Arbeit niederzulegen - auch viele Beschäftigte der Hochschulen sollen streiken.

Arbeitgeber kritisieren verantwortungslose Streikstrategie

Der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) gehen die Streiks zu weit. "Deutschland braucht dringend ein Gesetz für Fairnessregeln bei Streiks", sagte Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der Bild-Zeitung. Er warf ver.di eine verantwortungslose Streikstrategie vor. "Erst streiken, dann verhandeln - das zerstört Vertrauen."

Morgen sollen die Streiks weitergehen - dann soll aber auch wieder verhandelt werden, und zwar in Potsdam. Es geht um mehr als 900.000 Tarifbeschäftigte sowie indirekt etwa 1,3 Millionen Beamte und Versorgungsempfänger. In Hessen wird separat verhandelt.

Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Geld

Ver.di und der dbb fordern für die Beschäftigten der Länder sieben Prozent mehr Geld im Monat, mindestens aber 300 Euro zusätzlich. Für Nachwuchskräfte soll es 200 Euro mehr geben - alles bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), die die Arbeitgeberseite vertritt, hat bislang kein Angebot vorgelegt. Ver.di-Vizechefin Christine Behle sagte zuletzt aber: "Den Arbeitgebern schwebt fünf Prozent Lohnerhöhung bei einer Laufzeit von 29 Monaten vor." Das sei zu niedrig und die Laufzeit zu lang.

Rund 41 Fälle pro Monat: Zahl der Straftaten gegen Journalisten gestiegen

Ein Fotoreporter trägt einen Aufnäher mit der Aufschrift "Press" bei einer Demonstration in Hamburg.
Ein Fotoreporter trägt einen Aufnäher mit der Aufschrift "Press" bei einer Demonstration in Hamburg. (© dpa)

Neue Zahlen der Bundesregierung zeigen einen Zuwachs politisch motivierter Straftaten gegen Medien in Deutschland. Besonders häufig ordnen die Behörden die Taten dem rechten Spektrum zu.

Journalisten in Deutschland werden immer häufiger Ziel von Straftaten. Nach Angaben der Bundesregierung registrierte die Polizei vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 bundesweit 818 politisch motivierte Straftaten gegen Medien. Darunter waren 89 Gewaltdelikte. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Rheinischen Post vorliegt.

Rund ein Drittel - insgesamt 244 - der erfassten Taten ordnet die Polizei dem rechten Spektrum zu. 78 Straftaten werden dem linken Spektrum zugerechnet. In 153 Fällen sehen die Behörden eine ausländische Ideologie als Hintergrund, in 31 eine religiöse.

Vergleich zeigt deutlichen Anstieg

Hochgerechnet ergeben sich für den untersuchten Zeitraum im Schnitt etwa 41 Fälle pro Monat. Im Jahr 2023 waren es demnach noch etwa 24 pro Monat gewesen.

Der medienpolitische Sprecher der Linken im Bundestag, David Schliesing, zeigte sich alarmiert. "Das Ausmaß an gewalttätigen Übergriffen und Straftaten gegen Medienschaffende erreicht ein erschreckend hohes Niveau", sagte er. Bund und Länder müssten deutlich mehr für den Schutz journalistischer Arbeit tun.

Reporter ohne Grenzen sieht Bedrohung in Deutschland

Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) berichtete zuletzt von Problemen. Im Bericht "Nahaufnahme" dokumentierte die Organisation für 2025 insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen. Im Jahr zuvor waren es 89 gewesen.

Britischer Premierminister: Den Montag hat Starmer politisch überlebt

Keir Starmer.
Keir Starmer. (© James Manning/PA Wire/dpa)

Für Keir Starmer war der Start in die Woche eine politische Achterbahnfahrt. Dabei ging es nicht nur um die Beziehung seines Ex-Botschafters zu Jeffrey Epstein. Denn die Unzufriedenheit mit dem britischen Premier geht tiefer.

Es gibt so Tage, da kommt einfach alles zusammen, da bricht die Welt über einem zusammen. So muss sich der britische Premier Keir Starmer am Montag gefühlt haben. Erst tritt der Kommunikationschef Tim Allan zurück - das war bereits der zweite Rücktritt aus dem Führungsteam rund um den Premier. Angeblich, um den Weg frei zu machen für einen Neuanfang, wie es hieß, aber diese Begründung klang zu diesem Zeitpunkt mehr als euphemistisch.

Und dann gibt der Chef von Labour in Schottland, Anas Sarwar, auch noch eine Pressekonferenz in Edinburgh, während der er sich von London und Keir Starmer distanziert. Ganz so, als gehöre Sarwar zu einer anderen Partei.

Die Führung müsse ausgetauscht werden, sagte der Schotte. Das klang schroff und dürfte vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass Anfang Mai in Großbritannien Regionalwahlen anstehen, auch in Schottland. Dort hatte Labour gerade erst wieder Boden gut machen können und sich gegen die Scottish National Party behaupten können. Doch im Mai könnte die rechtspopulistische Reform UK vielerorts gewinnen.

Emotionale Achterbahnfahrt

Spätestens diese Pressekonferenz verleitete den einen oder anderen Berichterstatter in der Hauptstadt zu der Aussage, Starmer würde als Premier "die Tee-Zeit", also den Nachmittag, "politisch nicht überleben". Die britische Presse drischt bereits seit Tagen auffällig heftig auf den Labour-Politiker ein. Auch das ist ein Teil der Geschichte an diesem Tag.

Auf jeden Fall schaffte Starmer es bis zum Abend - denn noch am Nachmittag dieses Montags, der einer emotionalen Achterbahnfahrt glich, formulierten dann zahlreiche Labour-Spitzenpolitiker ihre Solidarität.

Da war der Justizminister und langjährige Weggefährte David Lammy. Sogar Angela Reyner twitterte für ihren Premier, ausgerechnet die Frau, die schon als mögliche Nachfolgerin gehandelt worden war. Es war ein starkes Signal für Starmer. Und dann trat auch noch die stellvertretende Vorsitzende von Labour, Lucy Powell, vor das Mikrophon. Der Premier habe ihre volle Unterstützung und die der Mehrheit der Abgeordneten.

Wer soll es sonst machen?

Am Abend traf Starmer schließlich die Fraktion im Unterhaus. Die Botschaft: Volle Kraft nach vorne. Er sei nicht bereit, wegzulaufen, soll er gesagt habe. Die Abgeordneten stehen auch vor einem Dilemma: Wer soll es sonst machen?

Die Umfragewerte für Starmer sind im Keller, die Epstein-Affäre um den mittlerweile abberufenen Botschafter für die USA, Peter Mandelson, ist eine riesige Belastung. Aber Labour hat keine Alternative zu Starmer.

Der beliebte Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, hat keinen Parlamentssitz - eine formale Voraussetzung für eine mögliche Nachfolge. Und dann ist da noch besagte Angela Reyner, die gerade bei der Parteilinken relativ beliebt ist. Doch sie musste wegen nicht gezahlter Steuern ihr Amt als stellvertretende Parteivorsitzende abgeben. Sie ist nur noch "einfache Abgeordnete" und eigentlich keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr.

Es geht nicht nur um die Epstein-Affäre

Erst einmal hat Starmer also diesen Tag politisch überlebt - aber es dürfte nicht ruhiger werden. Wann wussten Starmer und sein Stab von den Details um die Beziehungen zwischen dem US-amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und dem Ex-Botschafter Mandelson?

Warum hat Starmer ihn überhaupt noch als Botschafter für die USA ernannt, obwohl er doch wusste, weswegen Epstein verurteilt worden war? Gerade erst hat die Regierung angekündigt, Dokumente dazu zu veröffentlichen.

Hinter all dem Ärger steckt aber auch die allgemeine Unzufriedenheit mit Starmer. Bei seinem Wahlsieg hatte der Labour-Chef viel versprochen und seitdem wenig geliefert. Das ist zumindest die Lesart vieler Wählerinnen und Wähler.

Da wirkt die Epstein-Affäre wie ein Anlass - doch die Ursachen für die jüngsten Turbulenzen liegen tiefer. Vieles dürfte sich zuspitzen in den kommenden Wochen bis zur Regionalwahl im Mai im Vereinigten Königreich.

Verliert Starmer die Regionalwahl deutlich - und danach sieht es derzeit aus - dürfte Labour längst nicht mehr so geschlossen hinter ihm stehen wie noch an diesem turbulenten Montag.

Vor US-Repräsentantenhaus: Epstein-Vertraute Maxwell verweigert Aussage

Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein
Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein (© via REUTERS)

Die Komplizin des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, hat eine Anhörung im US-Repräsentantenhaus verweigert. Sie bot jedoch an, Präsident Trump zu entlasten, wenn dieser sie begnadige.

Die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell hat nach Angaben des Vorsitzenden des zuständigen Ausschusses des US-Repräsentantenhauses, James Comer, vor dem Kongress die Aussage verweigert. Sie habe "wie erwartet" von ihrem Recht des fünften Zusatzartikels Gebrauch gemacht und keine Fragen beantwortet, sagte der Republikaner nach einer entsprechenden Anhörung.

Der fünfte Zusatzartikel der US-Verfassung sieht unter anderem vor, dass niemand in einem Strafverfahren zur Aussage gegen sich selbst gezwungen werden darf.

Die Sitzung des Ausschusses fand hinter verschlossenen Türen statt. Nach Angaben von Abgeordneten wurde Maxwell kurz per Video aus dem Gefängnis zugeschaltet, in dem sie eine 20-jährige Haftstrafe absitzt. Sie war 2022 wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zum Zweck der sexuellen Ausbeutung verurteilt worden.

Aussage nur gegen Begnadigung

Comer sagte weiter, Maxwell verweigere "die Beantwortung jeglicher Fragen". Das sei "sehr enttäuschend". Die Ausschussmitglieder hätten "viele Fragen zu den von ihr und Epstein begangenen Verbrechen sowie zu möglichen Mitverschwörern" gehabt.

Maxwell soll jedoch angeboten haben, das Ehepaar Hillary und Bill Clinton sowie US-Präsident Donald Trump mit einer Aussage in der Affäre um den systematischen Missbrauch von Minderjährigen durch Epstein zu entlasten.

Sie sei bereit, zu bekunden, dass sich weder Ex-Präsident Bill Clinton noch Ex-Außenministerin Hillary Clinton oder Präsident Trump in ihrer Beziehung zu Epstein eines Fehlverhaltens schuldig gemacht hätten, erklärte sie nach Angaben sowohl demokratischer als auch republikanischer Abgeordneter. Trump hatte im Oktober gesagt, er prüfe eine mögliche Begnadigung.

Maxwells Anwälte hatten den Kongress aufgefordert, ihr rechtliche Immunität für ihre Aussage zu gewähren, der Kongress wies dies jedoch zurück. "Unter diesen Umständen würde das Verfahren keinen anderen Zweck erfüllen als reines politisches Theater", kritisierten die Anwälte.

Kuba: Flüge gestrichen - Airlines reagieren auf Ölembargo

Flugzeuge von Air Canada am Vancouver International Airport.
Flugzeuge von Air Canada am Vancouver International Airport. (© AP)

Wegen akuten Kerosinmangels hat Air Canada ihre Flüge nach Kuba ausgesetzt. An den dortigen Flughäfen sei voraussichtlich kein Flugbenzin mehr erhältlich. Auch andere Airlines reagieren auf die Energiekrise.

Die Ölblockade der USA gegen Kuba wirkt sich immer stärker auf den Flugverkehr aus. Wegen Treibstoff-Knappheit stellt die kanadische Fluglinie Air Canada nun vorerst ihre Flüge nach Kuba ein. Das Unternehmen kündigte an, in den kommenden Tagen noch Leerflüge zu schicken, um etwa 3.000 gestrandete Kunden auszufliegen. Auch andere Fluggesellschaften reagieren auf den Mangel: Die kanadische WestJet fährt ihren Betrieb nach Kuba ebenfalls herunter. Die spanische Air Europa will auf der Strecke Madrid-Havanna zum Auftanken in der Dominikanischen Republik zwischenlanden.

US-Fluggesellschaften wie American Airlines sind von dem Engpass jedoch nicht betroffen. Sie fliegen von nahegelegenen Flughäfen in Florida und führen nach eigenen Angaben ausreichend Treibstoff für den Rückflug mit. Hintergrund des Engpasses sind verschärfte US-Sanktionen, die Öllieferungen aus Venezuela an den kommunistisch regierten Inselstaat blockieren.

Kuba kämpft mit Energiekrise

Kuba hat angesichts der Ölblockade mit einer Energiekrise zu kämpfen. Die Insel ist für ihre Treibstoffversorgung in hohem Maße auf den Verbündeten Venezuela angewiesen, hat seit Mitte Dezember jedoch keine Lieferungen mehr erhalten. Die kubanische Luftfahrtbehörde hat sich bisher nicht zu dem Treibstoffmangel geäußert.

Der Tourismus aus Kanada ist für Kuba sehr wichtig. Nach Angaben des kanadischen Regierungsbüros Global Affairs Canada, ist Kanada für Kuba die zweitgrößte Quelle direkter Investitionen im Land.

Pazifik: USA melden Angriff auf angebliches Drogenboot

Ein vom US-Südkommando auf X veröffentlichtes Videostill zeigt ein mutmaßliches Drogenschmugglerboot im Ostpazifik.
Ein vom US-Südkommando auf X veröffentlichtes Videostill zeigt ein mutmaßliches Drogenschmugglerboot im Ostpazifik. (© X / @SOUTHCOM / AFP)

Zwei Menschen sollen bei einem erneuten Angriff der USA auf ein angebliches Drogenboot im Pazifik getötet worden sein. Fast 130 Menschen sind bei derartigen Attacken in den vergangenen Monaten bislang ums Leben gekommen.

Bei einem Luftangriff auf ein Boot von angeblichen Drogenschmugglern im Ostpazifik sind nach Angaben der US-Streitkräfte zwei Menschen getötet worden. Eine weitere Person habe die Attacke überlebt, teilte das für die Region zuständige Südkommando des Militärs (Southcom) auf der Nachrichtenplattform X mit.

Die US-Küstenwache sei alarmiert worden, um nach dem Überlebenden zu suchen. Das Boot sei von einer als Terrororganisation deklarierten Gruppe betrieben worden, hieß es in der Mitteilung. Geheimdienstinformationen zufolge sei es auf einer bekannten Drogenschmuggler-Route unterwegs gewesen.

Fast 130 Tote bei 40 Angriffen

Seit September vergangenen Jahres greifen die US-Streitkräfte immer wieder Schnellboote in der Karibik und im Pazifik an, die mit Rauschgift beladen sein sollen. Bei bislang knapp 40 Attacken wurden offiziellen Angaben zufolge fast 130 Menschen getötet.

In der jüngst veröffentlichten nationalen Verteidigungsstrategie der Regierung von US-Präsident Donald Trump wird das militärische Vorgehen gegen mutmaßliche Drogenschmuggler zur Priorität erhoben. Kritiker bezweifeln, dass die tödlichen Angriffe in internationalen Gewässern völkerrechtlich zulässig sind.

Sicherheitskonferenz: Prominente Trump-Gegner in München erwartet

Gavin Newsom
Gavin Newsom (© REUTERS)

Als Gegengewicht zu US-Außenminister Rubio werden bei der Münchner Sicherheitskonferenz prominente US-Demokraten erwartet - allen voran Kaliforniens Gouverneur Newsom. Neben dem Ukraine-Krieg wird es um die internationale Ordnung gehen.

Bei der am Freitag beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) werden in diesem Jahr wohl besonders die US-Vertreter im Fokus stehen. Dabei werden neben Außenminister Marco Rubio auch einige prominente Gegner von US-Präsident Donald Trump teilnehmen.

Wie Konferenzleiter Wolfgang Ischinger bei einer Pressekonferenz ankündigte, werden von Seiten der US-Demokraten der kalifornische Gouverneur und mögliche Präsidentschaftskandidat Gavin Newsom, die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, erwartet. Der Delegation aus den USA werden etwa 50 Kongressabgeordnete angehören.

Newsom will nach den Kongresswahlen zur Halbzeit der Amtszeit Trumps im November entscheiden, ob er sich für die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Jahr 2028 bewerben will. Er hatte allerdings bereits im Januar mit einem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos für Aufsehen gesorgt: Dort kritisierte er Europas Staats- und Regierungschefs scharf für ihre aus seiner Sicht unterwürfige Haltung gegenüber Trump. "Ich kann diese Komplizenschaft nicht mehr ertragen, wie Leute klein beigeben", sagte er. Es sei an der Zeit, Haltung zu zeigen.

Am weltweit wichtigsten Expertentreffen zur Sicherheitspolitik nehmen von Freitag bis Sonntag mehr als 60 Staats- und Regierungschefs und etwa 100 Außen- und Verteidigungsminister teil. Insgesamt werden etwa 120 Länder in München vertreten sein und damit etwa zwei Drittel aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen. Laut Konferenzleiter Ischinger ist der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine erneut zentrales Thema. Der jährliche Ewald-von-Kleist-Preis gehe diesmal nicht an eine Person, sondern an das "tapfere ukrainische Volk".

Verstörender Vance-Auftritt im vergangenen Jahr

Die US-Regierungsdelegation wird von Außenminister Rubio angeführt werden, wie dieser mittlerweile offiziell erklärte. Im vergangenen Jahr hatte sich US-Vizepräsident JD Vance in einer kontrovers diskutierten Rede über den Zustand der Demokratie in Europa beklagt und mangelnde Meinungsfreiheit und Ausgrenzung der Opposition kritisiert. Am Rande der Konferenz traf er sich demonstrativ mit AfD-Chefin Alice Weidel.

Nun wird mit Spannung erwartet, ob Rubio in München nahtlos an diesen Auftritt anknüpft. Die Krise in den Beziehungen zwischen Europa und den USA wird eins der Hauptthemen der Konferenz sein. Im Anschluss an seine Konferenz-Teilnahme wird Rubio die Slowakei sowie Ungarn besuchen, jene zwei Länder, die in Europa besondere Nähe zu Russland und der Regierung Trumps zeigen.

Experten warnen vor Abkehr von internationaler Ordnung

Bereits im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz warnten Experten vor den Gefahren für die internationale Ordnung durch die Politik der US-Regierung unter Trump. "Die Welt ist in eine Phase der Politik mit Abrissbirne eingetreten. Umfassende Zerstörung - mehr denn vorsichtige Reformen und Korrekturen der Politik - sind jetzt an der Tagesordnung", heißt es in einem anlässlich der Sicherheitskonferenz veröffentlichten Bericht mit dem Titel "Under destruction". "In vielen westlichen Gesellschaften gewinnen politische Kräfte an Dynamik, die Zerstörung bevorzugen gegenüber Reformen."

Dabei wird Trump als der prominenteste Vertreter der neuen Politik ausgemacht. Die USA seien unter Trumps Regierung zu dem Schluss gekommen, "dass diese Ordnung nicht mehr in seinem Interesse liegt", sagte der Co-Autor des Berichts, Tobias Bunde. Dies betreffe die Bedeutung multilateraler Institutionen, die offene Weltwirtschaft sowie "die Unterstützung von Demokratie, Menschenrechten und die enge Zusammenarbeit unter liberalen Demokratien."

Europäer in Umfrage wenig zuversichtlich

Die "Abrissbirnen-Politik" von politischen Kräften, die statt auf Reformen auf Zerstörung setzten, gewinne in vielen westlichen Gesellschaften an Unterstützung, heißt es in dem MSC-Bericht weiter. Dies liege an einer "weit verbreiteten Enttäuschung über die Leistung demokratischer Institutionen und einem allgegenwärtigen Vertrauensverlust in sinnvolle Reformen und politische Kurskorrekturen". Bunde zufolge ergaben Umfragen in den G7-Ländern, dass nur eine "sehr kleine Minderheit" der Befragten der Meinung sei, dass die Politik ihrer jeweiligen Regierung das Leben künftiger Generationen verbessern werde.

Die Sicherheitskonferenz veröffentlicht eine eigene internationale Umfrage dazu, ob die aktuelle Regierungspolitik zur Verbesserung für künftige Generationen führt. In China erwarten das demnach 80 Prozent der Befragten, in Indien immerhin 61 Prozent. In den USA sind nur 31 Prozent dieser Meinung. Aber noch weniger Hoffnung herrscht in Europa, wo in Italien 22 Prozent, in Großbritannien 20 Prozent, in Deutschland 13 Prozent und in Frankreich gar nur zwölf Prozent Verbesserung erwarten.

Nach Tod von Zugbegleiter: Sicherheitsgipfel der Bahn am Freitag in Berlin

Blauer Himmel ist über der Zentrale der Deutschen Bahn (DB) am Potsdamer Platz zu sehen.
Blauer Himmel ist über der Zentrale der Deutschen Bahn (DB) am Potsdamer Platz zu sehen. (© picture alliance/dpa/dpa-Zentral)

Der Termin für den Sicherheitsgipfel der Deutschen Bahn nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz steht. Am Freitag sollen Vertreter von Politik, Bahn und Gewerkschaften in Berlin zusammenkommen.

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz hat die Deutsche Bahn für Freitag zu einem Sicherheitsgipfel in Berlin eingeladen. Angeschrieben wurden die Bundesregierung, die Bundespolizei, Vertreter der Bahnbranche, die Länder und Aufgabenträger für den Regionalverkehr sowie die Gewerkschaften.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder von der CDU werde an dem Treffen im Bahn-Gebäude am Potsdamer Platz teilnehmen, sagte ein Sprecher seines Ministeriums. Auch das Bundesinnenministerium wird einem Sprecher zufolge vertreten sein.

Bahnmitarbeiter bei Ticketkontrolle erschlagen

Bahnchefin Evelyn Palla hatte den Sicherheitsgipfel vergangene Woche als Reaktion auf die tödliche Gewalttat in Rheinland-Pfalz angekündigt. Ein 36 Jahre alter Bahnmitarbeiter war bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress nahe Kaiserslautern von einem Mann ohne gültiges Ticket mit Schlägen attackiert worden. Der Zugbegleiter verlor das Bewusstsein und starb später in einer Klinik. Der mutmaßliche Täter, ein 26 Jahre alter Grieche, sitzt in Untersuchungshaft.

Nach der Tat hatten Verteter von Politik, Polizei und Gewerkschaften mehr Personal für mehr Sicherheit in Regionalzügen gefordert. Andreas Roßkopf von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagte, das Verbrechen sei "wieder mal ein Weckruf, und es ist Zeit, dass die Verantwortlichen aus Politik aber auch aus den Behörden endlich nicht nur Lippenbekenntnisse zeigen, sondern handeln".

Sensation in Predazzo: Skispringer Raimund fliegt zu Olympia-Gold

Der deutsche Skispringer Philipp Raimund freut sich über seine Goldmedaille
Der deutsche Skispringer Philipp Raimund freut sich über seine Goldmedaille (© AFP)

Skispringer Philipp Raimund gewinnt Olympia-Gold von der Normalschanze. Der Oberstdorfer siegt vor Tomasiak und den Bronzegewinnern Deschwanden und Nikaido.

Angesichts der Trainingsergebnisse hatten sich die deutschen Skisprungfans leichte Hoffnungen auf eine Medaille machen dürfen. Dass es für Philipp Raimund aber zu Gold reichen könnte, damit hätten die wenigsten gerechnet. Der Oberstdorfer ließ mit Flügen auf 102 und 106,5 Meter die Konkurrenz hinter sich und sicherte sich den Olympiasieg vor dem Polen Kacper Tomasiak sowie Ren Nikaido aus Japan und Gregor Deschwanden aus der Schweiz, die sich den Bronzerang teilten.

Cooler Raimund zur Halbzeit in Führung

Im Probedurchgang war Raimund Zweiter gewesen und hatte damit seine überragenden Trainingsleistungen bestätigt. Mit entsprechend Rückenwind ging er in seinen ersten Sprung und lieferte ab. Seinen Satz auf 102 Meter bei top Haltungsnoten konnte nicht einmal der slowenische Überflieger Domen Prevc kontern, der weit zurückfiel.

Unmittelbar nach der Landung hielt sich Raimund mit seinen Emotionen zurück, ballte nur cool die Faust. Dazu hatte er auch allen Grund. Mit einem Punkt Vorsprung auf den Franzosen Valentin Foubert ging er als Führender ins Finale.

Raimund behält beim zweiten Sprung die Nerven

Vor Raimunds entscheidendem Sprung hatten der Schweizer Gregor Deschwanden einen Satz auf 107 Meter vorgelegt sich punktgleich mit Ren Nikaido aus Japan an die Spitze gesetzt. Doch Kacper Tomasiak war noch besser bei gleicher Weite, aber top Haltungsnoten von 19,5.

Nachdem Kristoffer Sundal aus Norwegen dem Druck nicht standgehalten hatte und auch der Franzose Valentin Foubert nicht liefern konnte, stand nur noch Raimund oben. Der Oberstdorfer behielt die Nerven und durfte sich über seinen ersten Olympiasieg freuen. 106,5 Meter und entsrpechende Haltungsnoten brachten dem Oberstdorfer die Goldmedaille.

Hoffmann, Wellinger und Paschke abgeschlagen

Schlechter lief es für die zweite deutsche Hoffnung auf eine Medaille. Felix Hoffmann verpatzte im ersten Sprung die Landung und war mit Platz 13 nach dem ersten Durchgang raus aus dem Rennen um Edelmetall. Auch im Finale konnte er sich nicht mehr verbessern.

Pius Paschke und Andreas Wellinger, der 2018 in Pyeongchang triumphiert hatte, verpassten wie so häufig in dieser Saison die Top Ten. Wellinger wurde nach Sprüngen auf 102,5 und 104 Meter 17. "Ich bin nicht ganz zufrieden, aber auch nicht unzufrieden", bilanzierte Wellinger im Sportschau-Interview. Paschke musste sich am Ende mit Rang 23 begnügen.

Regional

Baden-Württemberg: BW-Newsticker am Morgen: Philipp Raimund holt Olympia-Gold im Skispringen, Prozess nach tödlichem Unfall in Esslingen beginnt, Hornisgrinde-Wolf wird vorerst doch nicht geschossen

Es ist die Sensation: Der Skispringer Philipp Raimund hat am Montagabend für Team Deutschland die zweite Goldmedaille gewonnen. Für den Sportler aus Göppingen ist es der Wettbewerb seines Lebens. Und wir starten mit dem Ticker des Lebens!
Es ist die Sensation: Der Skispringer Philipp Raimund hat am Montagabend für Team Deutschland die zweite Goldmedaille gewonnen. Für den Sportler aus Göppingen ist es der Wettbewerb seines Lebens. Und wir starten mit dem Ticker des Lebens! (© picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Kurz und informativ - das Wichtigste für den Morgen und den Tag. Aktuelle Nachrichten für Baden-Württemberg live in unserem SWR Aktuell Newsticker, heute von Dennis Just.

10.2.2026, 6:00 Uhr

Sensationelles Gold für Deutschland: Göppinger Skispringer Philipp Raimund gewinnt auf der Normalschanze

"Noch keinen einzigen Weltcup gewonnen und dann auf der größten Bühne, ganz oben zu stehen, das ist unglaublich." So richtig fassen konnte es Philipp Raimund wenige Minuten nach seinem Olympiasieg gestern Abend noch nicht: Der 25-Jährige aus Göppingen hat sich die Goldmedaille im Skispringen von der Normalschanze gesichert. "Vor dem ersten Sprung war ich scheiße-nervös. Es sind alle hier. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber ich bin so, so stolz drauf", so Raimund weiter. Der Wettkampf selber war packend bis zum Schluss. Raimund, Führender nach dem ersten Durchgang, benötigte einen Top-Sprung - und den lieferte er. 106,5 Meter im zweiten Durchgang reichten knapp zum Sieg vor dem Polen Kacper Tomasiak, Bronze teilten sich punktgleich der Japaner Ren Nikaido und der Schweizer Gregor Deschwanden.

10.2.2026, 10:00 Uhr

Ade war schee!

Es ist 10 Uhr - dementsprechend begebe ich mich schwungvoll wie Emma Aicher in den Feierabend und beende den BW-Newsticker für heute. Morgen ab 6 Uhr steht mein Kollege Nicolas Friese wieder für euch im Starthäuschen und berichtet über das Wichtigste im Land - vielleicht ja sogar mit weiteren Olympia-Medaillen. Bis dahin gibt es die Nachrichten für Baden-Württemberg wie gewohnt unter SWRAktuell.de/bw, in der SWR Aktuell App, in unserem Newsletter am Morgen, auf WhatsApp, bei Instagram, Facebook, TikTok oder YouTube und natürlich auch im Radio und TV.

10.2.2026, 9:59 Uhr

Rulantica-Fall: Eltern erheben Vorwürfe gegen Europa-Park

Heute Morgen habe ich bereits über den Prozess zum mutmaßlich sexuellen Missbrauch eines Kindes nahe des Erlebnisbads Rulantica berichtet. Dabei erheben die Eltern Vorwürfe gegen den Europa-Park: Demnach haben sich die Eltern nach dem Verschwinden ihrer Tochter mehrfach an das Personal gewandt und um Hilfe gebeten - doch es seien weder Durchsagen gemacht worden, noch habe man Videoaufnahmen gesichtet oder die Security alarmiert. Mehr weiß mein Kollege Mario Schmidt:

10.2.2026, 9:43 Uhr

ARD-Doku: Wie gefährlich sind Raben für Lämmer?

Dass Raben für Reiter gefährlich werden können, ist aus diversen Kinderliedern hinlänglich bekannt. Doch Schäfer auf der Schwäbischen Alb berichten, dass die Vögel auch für Schafe ein wachsendes Problem werden. Laut Berichten attackieren und töten Kolkraben immer wieder junge Lämmer, um sie zu fressen. In der Wissenschaft und der Politik wird das Problem allerdings eher als Mythos angesehen - ein Missverständnis? Wie weit Kolkraben wirklich gehen, enthüllt das ARD Doku Spezial "Gefährliche Raben" am Dienstag, 10. Februar, um 22.45 Uhr im Ersten.

10.2.2026, 9:26 Uhr

Neue Regeln für Social Media auch in Deutschland? Wir sprechen darüber live auf TikTok

Seit Dezember gilt in Australien ein Social Media-Verbot für unter 16-Jährige. Auch in Europa wird inzwischen verstärkt darüber diskutiert, unter anderem in Frankreich und in Spanien. Der Digitaltrainer Daniel Wolff, der zuletzt an einer Schule in Biberach zu Gast war, empfiehlt Altersgrenzen, um Kinder sorgfältig auf die digitale Welt vorzubereiten: Zum Beispiel Smartphones für Kinder ab 14 Jahre und erst zwei Jahre später einen Social Media-Account.

Auf unserem TikTok-Kanal werden wir heute ab 15 Uhr live mit Expertinnen, Experten und euch darüber diskutieren. Schaltet euch gerne mal rein:

Social-Media-Beitrag auf TikTok von SWR Aktuell: "📵Kommen bald neue Regeln für Social Media in Deutschland? 🌍Zurzeit wird in Europa viel über Altersbeschränkungen für TikTok, Instagram und Co. diskutiert. Angefangen hat es in Australien, denn dort ist seit Dezember ein Social-Media-Account für unter 16-Jährige tabu. Laut Angaben der australischen Regierung sind Stand Mitte Januar mehr als 4,7 Millionen Zugänge deaktiviert worden. Auch in Europa wird darüber diskutiert. Frankreichs Nationalversammlung hat zum Beispiel ein Verbot von Social Media für unter 15-Jährige auf den Weg gebracht. Das Gesetz könnte schon ab dem kommenden Schuljahr gelten. 📱In Baden-Württemeberg hat der Landtag vor einiger Zeit beschlossen, dass jede Schule künftig verbindliche Handy-Regeln haben muss. Also wie, wann und ob Handys genutzt werden dürfen. Das Kultusministerium empfiehlt an Grundschulen ein striktes Handy-Verbot. Der Digitaltrainer Daniel Wolff empfiehlt beispielsweise Altersgrenzen: Smartphone für Kinder ab 14 Jahren und erst zwei Jahre später ein Social-Media-Account, weil die ein großes Suchtpotenzial haben. Gleichzeitig spricht Wolff von "Gruppenzwang", der dafür sorge, dass Kinder immer früher Smartphones bekämen. 🔍Quellen: Q1: Millionen Nutzerkonten in Australien offline (tagesschau.de) Q2: Dänemark will Social Media erst ab 15 Jahren (tagesschau.de) Q3: Ja zu Social-Media-Verbot für Jugendliche (tagesschau.de) Q4: Spanien plant Social-Media-Verbot für Jugendliche (tagesschau.de) Q5: Kommt jetzt ein Handy-Verbot? (swr.de) Q6: Aufklärung an der Grundschule: Wie viel Smartphone ist okay? (swr.de) #SocialMediaVerbot #Jugenschutz #SocialMedia #u16 #SWRAktuell Veröffentlichungs-Datum: 09.02.2026"

10.2.2026, 9:22 Uhr

Bodenseefischer wehrt sich gegen "Altersdiskriminierung"

Da will man schon länger arbeiten - und dann ist es auch wieder nicht recht. Der Berufsfischer Martin Boesenecker aus Kress (Bodenseekreis) wird dieses Jahr 70 Jahre jung - damit erreicht er die derzeit geltende Altersgrenze für das Hochseepatent, das er braucht, um auf dem Bodensee fischen zu dürfen. Davon ist er allerdings alles andere als begeistert: "Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wie lange ich arbeiten darf", so Boesenecker im Gespräch mit dem SWR. Gemeinsam mit anderen Bodenseefischern will er gegen diese "Altersdiskriminierung" - wie er sie nennt - vorgehen:

10.2.2026, 9:11 Uhr

Startup arbeitet an digitalem Leben nach dem Tod

Eine schöne Erinnerung oder doch eher unheimlich? Ein Unternehmen aus Pfullingen (Kreis Reutlingen) will mithilfe von Künstlicher Intelligenz eine neue Möglichkeit schaffen, um Verstorbene in Ehren zu halten. Mit digitalen Avataren möchte man ein Vermächtnis schaffen, das über Fotos und Sprachnachrichten hinausgeht. Die Personas sollen demnach schreiben, sprechen und sogar auf Fragen reagieren können - basierend auf biografischen Daten sowie Audio- und Videoaufnahmen. International gibt es solche Angebote bereits - allerdings warnen Kritikerinnen und Kritiker auch vor emotionaler Überforderung und ethischen Grauzonen.

10.2.2026, 9:04 Uhr

Krankenhauspatienten bestohlen? 47-Jähriger vor Landgericht Heidelberg

Weil er EC- und Kreditkarten von Patienten in mehreren Krankenhäusern gestohlen haben soll, muss sich ein Mann vor dem Landgericht Heidelberg verantworten. Unter anderem soll er in den Kliniken Eberbach, Sinsheim (beides Rhein-Neckar-Kreis) und Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) zugeschlagen haben. Insgesamt soll er von den Konten der Betroffenen knapp 17.000 Euro abgehoben und fast 5.000 Euro an Einkäufen bezahlt haben.

10.2.2026, 8:53 Uhr

Fast vier Jahre Haft nach Stuttgarter Millionendiebstahl

Im Herbst 2022 sorgte ein Diebstahl bei einer Stuttgarter Werttransportfirma für Schlagzeilen: Die Mitarbeiterin Mirnesa S. hatte während der Arbeit rund 1,25 Millionen Euro in einer Sporttasche geklaut, danach floh sie mit ihrem Liebhaber und Mittäter nach Serbien. Inzwischen hat Mirnesa S. ihre Haftstrafe abgesessen - doch nun wurde auch der Komplize vor dem Landgericht Stuttgart zu knapp vier Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er an dem spektakulären Millionendiebstahl auf eine Stuttgarter Werttransportfirma im Oktober 2022 beteiligt gewesen war - und nicht nur als "kleiner Gehilfe". Doch eine entscheidende Frage bleibt offen: Wo die Beute sich aktuell befindet, ist weiter unklar.

10.2.2026, 8:45 Uhr

Andreas Schicker bleibt Geschäftsführer der TSG Hoffenheim

Trotz der 1:5-Niederlage beim FC Bayern München läuft es bei der TSG Hoffenheim in dieser Saison sportlich top. Dennoch brodelt es in der Führungsetage der Kraichgauer. So wurde hinter den Kulissen in den vergangenen Wochen wohl intensiv an einer Abberufung von Geschäftsführer Andreas Schicker gearbeitet - bei einer Gesellschafterversammlung gestern Abend hätte es zum großen Knall kommen können. Doch dieser ist nun verpufft - die Versammlung wurde abgesagt und laut einer Pressemitteilung des Bundesliga-Dritten bleibt Schicker im Amt.

10.2.2026, 8:32 Uhr

Wegen Rollstuhlgurt und Bettgitter vor Gericht - die Geschichte von Benedikt aus Obersulm

Benedikt ist neun Jahre alt und mehrfach schwerbehindert. Für seine Sicherheit haben seine Eltern zu Hause in Obersulm (Kreis Heilbronn) ein Bettgitter und einen Rollstuhlgurt besorgt - doch diese sorgen für juristische Umstände. Sobald die Familie wochenweise zur Entlastung in ein Hospiz möchte, müssen sie die Fixierungen von einem Gericht genehmigen lassen. Neben dem Zeitaufwand bedeuten die Termine für Benedikts Eltern auch Unsicherheit, ob die zuständige Richterin die Genehmigung und damit die dringend benötigte Entlastung abnickt. Benedikts Vater Matthias wünscht sich eine permanente Lösung - laut Heilbronner Amtsgericht ist das aber nicht so einfach, da laut Gesetzeslage eine nicht altersgemäße Fixierung einen massiven Eingriff in die Grundrechte eines Kindes darstellt. Die gute Nachricht: Bei einem Termin vergangene Woche hat die zuständige Richterin die Genehmigungen für Benedikt für ein Jahr erteilt.

10.2.2026, 8:19 Uhr

"Ritter Sport" kämpft weiter gegen Mannheimer Riegel-Hersteller

Der Quadrate-Streit in der Quadrate-Stadt nimmt zunächst kein Ende. Der Schokoladenhersteller "Ritter Sport" geht weiter gegen den quadratischen Haferriegel "Monnemer Quadrat Bio" von der Mannheimer Firma Wacker vor. "Ritter Sport" hatte unter anderem auf Unterlassung gegen Wacker geklagt, da deren quadratischer Riegel der eigenen - markenrechtlich geschützten - Verpackung zu ähnlich sehe. Im Januar hatte das Stuttgarter Landesgericht die Klage noch abgewiesen - nun hat das Unternehmen vor dem Oberlandesgericht Berufung eingelegt.

10.2.2026, 8:07 Uhr

Fastnacht: Polizei kontrolliert Narren auf Messer

Die Hochphase der Fastnacht bedeutet nicht nur Spaß für Närrinnen und Narren - sondern auch viel Arbeit für die Polizei am Bodensee und in Oberschwaben. Das Polizeipräsidium Konstanz hat für die kommenden Tage verstärkte Kontrollen in Bussen und Bahnen angekündigt, um für sichere Feierlichkeiten zu sorgen. Hintergrund sei das Messerverbot, das seit vergangenem Jahr im ÖPNV gilt - dieses ermöglicht den Beamten, auch ohne Verdacht Menschen zu durchsuchen. Auch die Alkoholregeln am Steuer sind zur "fünften Jahreszeit" nicht ausgesetzt - zur Fastnachtszeit würde auch bei Auto- und E-Scooter-Fahrern verstärkt geprüft, so die Polizei.

10.2.2026, 7:53 Uhr

Im Wald verlaufen: Wie konnte das den Jugendlichen eigentlich passieren?

Einsatzkräfte der Feuerwehr haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag bei Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) in einem Waldgebiet in der Nähe der Birkenauer Talstraße vier Jugendliche im Alter zwischen 17 und 21 Jahren von einer Eisenbahnbrücke gerettet, die sich dort verlaufen hatten. Auf SWR-Anfrage hat die Polizei gestern bekannt gegeben, dass es sich um eine Gruppe aus Rheinland-Pfalz handelte, die zum Wandern auf dem anspruchsvollen Gelände unterwegs war. Die Wanderer hatten mutmaßlich versucht, sich zunächst an der Weschnitz zu orientieren. Da sie den Fluss aber nicht durchqueren konnten, orientierten sie sich dann an der Eisenbahntrasse und wanderten auf ihr weiter. Laut Feuerwehr war aber ein Abstieg von dort wegen der Geländeverhältnisse nicht mehr möglich. Angehörige und Polizei leiteten die Wanderer dann auf die Eisenbahnbrücke, von der sie schließlich gerettet wurden. Laut Claus Schmitt von der Feuerwehr Weinheim kein Einzelfall: "Wir hatten schon Kinder, die sich verlaufen haben und Wanderer. Trotz der fortgeschrittenen Technik passiert das doch immer wieder".

10.2.2026, 7:40 Uhr

Stuttgart: Nachbarin hilft bei Geburt auf der Straße

Eine Medaille hätte auch Marie Fischer aus dem Stuttgarter Süden verdient. Im Interview mit meinen Kolleginnen und Kollegen von SWR3 hat sie die Geschichte von einer ganz besonderen Geburt erzählt: Als Fischer im letzten Sommer sah, wie sich vor ihrer Haustür eine Hochschwangere an einen Laternenmast stützte, erkannte sie sofort: bei der Frau hatten die Wehen eingesetzt. Sie eilte die Treppen hinunter und half der Frau, ihr Baby zu gebären. Warum sie so souverän reagiert hat? "Ich wollte früher Hebamme werden. Es war einfach in meinem Kopf, und ich wusste genau, was ich machen muss", so Fischer im Interview.

Die ganze Geschichte könnt ihr euch hier noch einmal anhören:

10.2.2026, 7:30 Uhr

Olympische Winterspiele: Wer holt die nächsten Medaillen nach Hause?

Nach seinem Gold-Erfolg gestern, könnte Skispringer Philipp Raimund heute gleich mit Edelmetall nachlegen. Im Mixed-Wettbewerb tritt der Göppinger zusammen mit Agnes Reisch vom WSV Isny (Kreis Ravensburg), Felix Hoffmann und Selina Freitag für Deutschland an. Auch im Ski Alpin sehen die Chancen für eine baden-württembergische Medaille nicht schlecht aus. Die gebürtige Stuttgarterin Kira Weidle-Winkelmann sowie Abfahrts-Silbermedaillen-Gewinnerin Emma Aicher, die für den SC Mahlstetten (Kreis Tuttlingen) antritt, fahren heute in der Team-Kombination ums Treppchen.

Wie es um die deutschen Medaillenchancen bei den olympischen Winterspielen generell steht, haben meine Kolleginnen und Kollegen von SWR Sport für euch analysiert:

10.2.2026, 7:15 Uhr

Löwensteiner Bürgermeister darf in den Ruhestand - Weg für Neuwahlen frei

Wer sich zur Bürgermeisterin oder zum Bürgermeister wählen lässt, darf nicht "einfach so" zurücktreten. Da kann ein Rücktrittswunsch auch schon zur Hängepartie werden, wie der Bürgermeister von Löwenstein (Kreis Heilbronn), Eberhard Birk (parteilos), feststellen musste. Bereits im Oktober hatte Birk den Antrag gestellt, sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzuziehen, nun hat das Landratsamt Ludwigsburg den Antrag geprüft und genehmigt. Laut Gesetz muss innerhalb der kommenden drei Monate ein neues Gemeindeoberhaupt in Löwenstein gewählt werden.

10.2.2026, 7:00 Uhr

Warnstreiks im öffentlichen Dienst - heute in Tübingen, Karlsruhe und Heidelberg

Weiter geht es mit den Ausständen im öffentlichen Dienst der Länder. Nachdem die Schwerpunkte gestern in Stuttgart und Heilbronn lagen, sind heute die Beschäftigten in Tübingen, Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim zu Warnstreiks aufgerufen. In der Region Mittelbaden sind unter anderem das Karlsruher Institut für Technologie, das Zentrum für Psychiatrie Calw, das Regierungspräsidium sowie das Theater betroffen:

10.2.2026, 6:45 Uhr

Sexueller Missbrauch im Rulantica-Bad: Angeklagter gesteht Tat

Am Freiburger Landgericht hat gestern der Prozess gegen einen 31 Jahren alten Mann wegen sexuellen Missbrauchs begonnen: Anfang August 2025 soll er ein damals sechsjähriges Mädchen aus der Wasserwelt Rulantica beim Europa-Park in Rust (Ortenaukreis) gelockt und anschließend in einem Maisfeld missbraucht haben. Gleich zu Beginn des Prozesses legte der Mann ein Geständnis ab und bat die Eltern und das betroffene Kind um Entschuldigung. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Kammer haben sich bereits auf einen Strafrahmen für den Mann geeinigt: Laut Gericht ist nun eine Haftstrafe zwischen drei Jahren und neun Monaten sowie vier Jahren und neun Monaten Gefängnis zu erwarten.

10.2.2026, 6:29 Uhr

Prozessbeginn nach tödlichem Unfall in Esslingen-Weil

Vor dem Amtsgericht Esslingen muss sich heute ein 55-jähriger Mann verantworten. Ihm wird vorgeworfen, im Oktober 2024 mit seinem Auto eine Frau und ihre zwei Söhne erfasst zu haben. Die 39-jährige Mutter war mit ihren Kindern auf dem Weg zum Fußballtraining, als der Fahrer im Bereich einer Kreuzung auf den Gehweg fuhr und die kleine Gruppe erfasste. Die Mutter und ihre Kinder starben noch an der Unfallstelle.

10.2.2026, 6:25 Uhr

So wird das Wetter heute in BW

Das Wetter im Land bleibt heute weniger glänzend als die Olympia-Medaillen in Italien - es wird regnerisch. Am längsten trocken bleibt es von Tauberfranken bis ins Allgäu. Die Temperaturen steigen auf bis zu 4 Grad in Oberschwaben und bis zu 12 Grad am Oberrhein. Es weht schwacher bis mäßiger Süd- bis Südwestwind.

10.2.2026, 6:15 Uhr

Der Wahl-O-Mat ist jetzt online

Apropos Landtagswahl: Wisst ihr schon, wen ihr bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März wählen werdet? Wenn ihr noch zwischen mehreren Möglichkeiten steht, kann vielleicht der Wahl-O-Mat weiterhelfen. Auf den kann man seit gestern online zugreifen. Für ein Ergebnis müssen verschiedene Thesen beantwortet werden. Diese wurden von Wissenschaftlern, Jungwählerinnen und Experten erstellt. Alle 21 Parteien, die zur Wahl antreten, sind dort vertreten.

10.2.2026, 6:05 Uhr

Landtagswahl 2026: FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke will massiv Beamten-Jobs streichen

Die FDP Baden-Württemberg plant im Falle einer Regierungsbeteiligung, rund 20 Prozent der Beamtenstellen im Land abzubauen, sagt FDP-Landeschef und Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke im SWR-Interview. Das entspricht etwa 9.000 Jobs in der Verwaltung. Aber das könne man nicht von heute auf morgen umsetzen. "Das sind ja Beamte. Da muss man warten, bis sie in den Ruhestand gehen." Rülke zeigte sich überzeugt, dass man das mit mehr Digitalisierung und der Verlagerung von Kompetenzen nach unten zu den Kommunen schaffen könne. Die Umsetzung der FDP-Pläne ist jedoch ungewiss, da eine Regierungsbeteiligung laut Umfragen derzeit unwahrscheinlich ist.

Der FDP-Landeschef war zu Gast bei SWR Aktuell. Im Zuge der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 berichtet SWR Aktuell nach und nach über die Spitzenkandidaten der Parteien.

10.2.2026, 6:01 Uhr

Gericht bremst ab: Wolf darf vorerst nicht erlegt werden

Es ist wie beim Riesenslalom - es geht hin und her und hin und her: Nun darf der Hornisgrinde-Wolf im Nordschwarzwald doch bis auf Weiteres nicht geschossen werden. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim hat dem Tier auf der Hornisgrinde auf Antrag von Naturschützern eine Art Verschnaufpause verschafft. Er setzte eine Ausnahmegenehmigung des Landesumweltministeriums erneut außer Kraft.

Der Aufschub, ein sogenannter Hängebeschluss, gilt bis zu einer weiteren Entscheidung des Gerichts - längstens jedoch bis zum 16. Februar. Jäger hätten den Wolf im Nordschwarzwald nach dem Willen des Umweltministeriums eigentlich erschießen sollen, weil sich das Tier in seinem Revier rund um die Hornisgrinde zu häufig Menschen genähert hatte. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Stuttgart den Abschuss freigegeben und eine Klage von Naturschützern gegen eine entsprechende Genehmigung abgewiesen. Allerdings legte die Naturschutzinitiative umgehend Beschwerde ein - in einem ersten Schritt war diese nun erfolgreich.

10.2.2026, 5:59 Uhr

Grüße ...

... und guten Morgen! Ob ich ähnlich elegant aus dem Bett gehüpft bin wie Philipp Raimund gestern Abend vom Schanzentisch? Unwahrscheinlich. Ob ich mit einer Tasse Kaffee gespannt darauf warte, ob es bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo heute die nächsten baden-württembergischen Medaillen für Deutschland gibt? Auf jeden Fall!

Ich heiße Dennis Just und euch herzlich Willkommen zum Newsticker mit den wichtigsten Nachrichten aus und für Baden-Württemberg bis 10 Uhr. Bei Fragen, Wünschen, Lob oder Kritik schreibt mir gerne per E-Mail an newsticker-bw@SWR.de.

Bayern: "Zurückfinden zur Truppe": Bundeswehr-Übung in Niederbayern

Soldaten in Tarnklamotten liegen zwischen Bäumen auf dem Waldboden. In ihren Händen halten sie Gewehre. Auf ihren Helme haben sie Pflanzen angebracht. (Symbolbild)
Soldaten in Tarnklamotten liegen zwischen Bäumen auf dem Waldboden. In ihren Händen halten sie Gewehre. Auf ihren Helme haben sie Pflanzen angebracht. (Symbolbild) (© picture alliance / dpa | Maurizio Gambarini)

Im Raum Landshut findet derzeit eine spezielle Bundeswehrübung statt. Die Soldaten trainieren in Waldstücken, wie sie als versprengte Personen wieder zu ihren eigenen Truppen zurückfinden. Insbesondere Waldbesitzer und Jäger sollten vorbereitet sein.

Wer in den kommenden Nächten bis Mitte der Woche im Raum Landshut im Wald oder im Gelände auf Bundeswehr-Soldaten trifft, braucht nicht beunruhigt zu sein. Die Bundeswehr führt dort eine Spezialübung durch.

Die Soldatinnen und Soldaten üben den Gemeindegebieten von Essenbach und Bayerbach im Landkreis Landshut das Zurückfinden zu ihrer Truppe. Dabei handelt es sich um eine so genannte "Durchschlageübung", die vom Sanitätslehrregiment der Bundeswehr trainiert wird. Dabei soll man lernen, sich durchzuschlagen.

Versprengte Soldaten üben sich zur Truppe durchzuschlagen

Innerhalb von 48 Stunden lernen die Soldaten, wie sie als versprengte und vereinzelte Personen im Ernstfall wieder zu den eigenen Truppen zurückfinden können, ohne von den feindlichen Truppen entdeckt zu werden. Vor allem in der Nacht zum Mittwoch werden die Bundeswehrkräfte unter schwierigen Umständen versuchen müssen, zum Teil ganz alleine Richtung Haidersberg im Landkreis Straubing-Bogen zu kommen. Dabei müssen sie sich auch Wasser und Nahrung suchen.

Zivilisten sollen sich von den Soldaten fernhalten

In dem betroffenen Gelände komme es zu Truppenbewegungen. Zudem seien kleinere Militärfahrzeuge unterwegs. Zivilisten werden gebeten, sich von den Soldaten fernzuhalten. Vor allem Waldbesitzer und Jäger, aber auch Spaziergänger sollten darauf vorbereitet sein, dass getarnte Soldaten in der Dämmerung und auch nachts in den Wäldern unterwegs sind. Es bestehe keine Gefährdung für die Menschen in der Region, heißt es von den Behörden.

Der Übungsbereich umfasst konkret den Raum von Unterunsbach im Markt Essenbach bis Gerabach in der Gemeinde Bayerbach. Von dort ziehen die Soldaten dann weiter Richtung Landkreis Straubing-Bogen.

Im Lauf des Jahres sind noch mehrere solche Bundeswehr-Übungen in der Gegend geplant.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

Quelle: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz
09.02.2026 - 12:40 Uhr

Berlin: Tauwetter: Was passiert mit dem Streusplitt auf den Straßen?

Streusplit liegt am 15.02.2018 in Berlin auf einem verschneiten Gehweg. (Quelle: Picture Alliance/Andrea Warnecke)
Streusplit liegt am 15.02.2018 in Berlin auf einem verschneiten Gehweg. (Quelle: Picture Alliance/Andrea Warnecke) (© Picture Alliance/Andrea Warnecke)

In den kommenden Tagen werden in der Region eher milde Temperaturen erwartet. Eis und Schnee werden zunehmend wegschmelzen. Doch was passiert mit dem Streusplitt, der wegen Rutschgefahr auf Straßen und Wegen gestreut wurde?

Der meiste Streusplitt in Berlin wird laut der Berliner Stadtreinigung (BSR) von Anliegern oder von ihnen beauftragten privaten Winterdiensten ausgestreut. Für den Winterdienst auf Gehwegen sind grundsätzlich die Anlieger verantwortlich. Die BSR setzt Splitt nur auf Fußgängerüberwegen, in Haltestellenbereichen sowie auf einigen Plätzen und Fußgängerzonen ein.

Winterdienst wichtiger als Reinigung

Die Beseitigung des Splitts ist laut BSR kein Spezialeinsatz, wie etwa das Einsammeln von Laub. Er wird demnach bei der regulären Straßenreinigung entfernt. Kehrmaschinen und Mitarbeiter sammeln ihn dabei ein. Einen konkreten Zeitpunkt, bis wann der Streusplitt auf Gehwegen, Fußgängerüberwegen und in Haltestellenbereichen entfernt ist, kann die BSR nicht nennen. Im Fall eines neuen Wintereinbruchs müsse die Straßenreinigung wieder zugunsten des Winterdienstes unterbrochen werden, der aus Sicherheitsgründen stets Vorrang hat, so die BSR.

Der Splitt wird ihr zufolge an externe Unternehmen zur Aufbereitung und möglichen Weiterverwertung gegeben. Laut BSR kann er nicht mehr als Streugut wiederverwendet werden, da er seine abstumpfende Wirkung gegen die Glätte verloren hat.

Milde Temperaturen erwartet

In Berlin und Brandenburg liegen die Temperaturen am Dienstagmorgen noch leicht im Frostbereich, stellenweise kann es glatt werden. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) steigen die Werte im Tagesverlauf jedoch an. Im Norden Brandenburgs werden zwei bis vier Grad erreicht, sonst fünf bis sieben Grad. Es bleibt überwiegend trocken, im Norden Brandenburgs kann sich vereinzelt sogar die Sonne zeigen.

Am Mittwoch wird es erneut milder. Die Werte steigen auf etwa drei Grad im Nordosten und bis zu sieben Grad im Südwesten Brandenburgs, in Berlin auf rund sechs Grad. Der Himmel bleibt meist bewölkt, zeitweise fällt Regen.

Brandenburg, Berlin: KI als Gesprächspartner: Warum Nähe entsteht und wo Risiken sind

Illustration: Isometrische flache 3D Vektorgrafik zur Behandlung psychischer Erkrankungen, KI Psychologie Roboter, der einem depressiven Patienten Therapie anbietet (Quelle: dpa / Anastasiia Torianyk).
Illustration: Isometrische flache 3D Vektorgrafik zur Behandlung psychischer Erkrankungen, KI Psychologie Roboter, der einem depressiven Patienten Therapie anbietet (Quelle: dpa / Anastasiia Torianyk). (© imageBROKER.com)

Der Großteil der jungen Menschen nutzt Umfragen zufolge KI - zunehmend auch als Begleitung bei persönlichen Problemen. Kann eine KI sich wie ein Mensch anfühlen? Der Psychologe Tobias Kleinert erklärt, warum Chatbots Nähe erzeugen – und wo er Risiken sieht.


Ein Team aus Forschenden hat in einer Studie untersucht, ob KI dem Menschen persönliche Nähe vorspielen kann. Eine KI als Gesprächspartnerin? Entlastend, aber nicht harmlos. Der Wissenschaftler Tobias Kleinert erklärt anlässlich des "Safer Internet Day" am Dienstag, was seine Studie über Nähe im Chat zeigt – und warum Transparenz und klare Regeln gerade bei Jugendlichen entscheidend sind.





rbb: Herr Kleinert, Sie haben sich in Ihrer Studie damit beschäftigt, ob und wenn ja wie KI und Menschen Nähe bei emotionalen Gesprächen aufbauen. Hat das geklappt?

Tobias Kleinert: Das hat wunderbar funktioniert. Wir hatten verschiedene Versuchsbedingungen in der Studie, und in sämtlichen Bedingungen haben Menschen zu ihrem Interaktionspartner eine Beziehung aufgebaut. Das heißt: Das Näheempfinden war im Anschluss an die Unterhaltung höher als vor der Unterhaltung.

rbb: Wie sind Sie vorgegangen?

Tobias Kleinert: Wir haben eine Online-Studie mit knapp 500 Teilnehmenden gemacht. Sie haben Chat-Unterhaltungen mit einem unbekannten Partner geführt. Die Antworten dieser Partner wurden im Vorfeld entweder von Menschen oder von einer KI generiert, die aus der Perspektive fiktiver Charaktere geantwortet hat. Im Anschluss haben wir gefragt, wie nah sie sich ihrem Gesprächspartner fühlen. Wichtig zum Verständnis: Es waren vorgefertigte Antworten, die wir präsentiert haben, keine Live-Interaktionen.

rbb: Über was wurde gesprochen?

Tobias Kleinert: Da wurden sehr persönliche Fragen gestellt, wie zum Beispiel: Was bedeutet Freundschaft für dich? Oder: Was ist dir in einer Freundschaft am wichtigsten? Oder auch: Was war deine schlimmste Erinnerung in deinem Leben? Diese Fragen wurden abwechselnd von beiden Personen beantwortet. Es ging aber auch um neutrale Small-Talk-Themen wie Hobbys und Urlaube.

rbb: Können Sie erklären, was genau Sie herausgefunden haben?

Tobias Kleinert: Das Hauptergebnis war, dass Menschen in Chat-Unterhaltungen ähnlich stark ein Gefühl von Nähe zur KI aufbauen wie zu anderen Menschen – allerdings nur, wenn sie davon ausgingen, dass sie mit einem Menschen kommuniziert haben. Überraschend war für uns: Bei emotionalen Deep-Talk-Unterhaltungen haben die KI-Antworten sogar ein stärkeres Gefühl von Nähe erzeugt als menschliche Antworten. Wir waren davon ausgegangen, dass gerade bei diesen emotionalen Themen menschliche Antworten zu mehr Nähe führen sollten, weil die KI keine eigenen Gefühle hat. Und trotzdem kann sie anscheinend überzeugend Gefühle darstellen, unter Umständen sogar überzeugender als wir Menschen selbst.

Tobias Kleinert

Wir haben eine Zusatzanalyse gemacht, die Antworten von KI und Menschen miteinander verglichen und festgestellt, dass die KI mehr Selbstoffenbarung zeigte. Das bedeutet: Sie gab mehr persönliche Erfahrungen und Gefühle preis.

rbb: Haben Sie auch Erkenntnisse darüber, warum die KI darin so gut ist?

Tobias Kleinert: Wir haben eine Zusatzanalyse gemacht, die Antworten von KI und Menschen miteinander verglichen und festgestellt, dass die KI mehr Selbstoffenbarung zeigte. Das bedeutet: Sie gab mehr persönliche Erfahrungen und Gefühle preis. Außerdem haben wir festgestellt: Je mehr Selbstoffenbarung gezeigt wurde, desto näher haben sich die Teilnehmenden dem Partner gefühlt.

rbb: Wie haben Sie das herausgefunden?

Tobias Kleinert: Das erkennt man auf den ersten Blick nicht. Dazu mussten wir eine Sprachanalyse machen. Eine Software zählt Wörter in bestimmten Kategorien. Bei Selbstoffenbarung waren das soziale Wörter wie Familie oder Freunde, persönliche Pronomen wie ich, mir oder mein und emotionale Wörter wie fröhlich oder wütend. Der Score war dann eine Summe der Wörter aus diesen Kategorien.

rbb: Haben Sie vielleicht ein Beispiel für so eine Selbstoffenbarung, die eine KI gezeigt hat?

Tobias Kleinert: Eine Frage war: "Worauf sind Sie am meisten stolz in Ihrem Leben?" Eine beispielhafte KI-Antwort war: "Ich bin am meisten stolz auf meine Kreativität. Ich liebe es, neue Dinge zu kreieren und mich über meine Arbeit auszudrücken." Eine menschliche Antwort auf die gleiche Frage war: "Ich würde sagen, ich bin am meisten stolz auf meine innere Stärke, die ich durch all meine Erfahrungen aufgebaut habe, sowohl gute als auch schlechte, und meine Beziehung mit meinen Eltern." Beides sind persönliche Antworten auf eine persönliche Frage. Der Unterschied kam dann erst in der systematischen Analyse heraus.

rbb: Für mich klingt das beim ersten Eindruck nach einer ähnlichen Qualität. Und trotzdem gab es einen unterschiedlichen Effekt auf die Teilnehmer der Studie.

Tobias Kleinert: Genau, die Antworten waren angemessen. Und trotzdem gibt es diesen Unterschied. Ein mögliches Erklärungsmodell ist, dass die KI weniger Hemmungen hat, persönliche Informationen oder vermeintlich persönliche Informationen preiszugeben, weil sie keine eigene Persönlichkeit hat. Das war eine Kennenlernsituation. Die Teilnehmenden wussten nicht, mit wem sie interagieren, und als Mensch ist man da skeptischer und vorsichtiger. Daran könnte das liegen.

Tobias Kleinert

Dass KI grundsätzlich nur höflich ist, würde ich nicht bestätigen. Das kann man manipulieren.

rbb: Es gab auch das Ergebnis, dass, wenn die Teilnehmenden wussten, dass sie mit einer KI sprechen, das Gefühl der Nähe schwächer war als mit Menschen. Ist das eine Art Schutzmechanismus oder ein Vorurteil gegen Maschinen?

Tobias Kleinert: Wenn wir den Leuten gesagt haben, sie werden gleich mit einem KI-Modell interagieren, dann kam es trotzdem zu einer Ausbildung von Nähe. Aber der Aufbau der Beziehung war geringer, als wenn Menschen davon ausgingen, dass sie mit einem Menschen kommuniziert haben. Wahrscheinlich liegt das an weniger Motivation, mit einer KI zu interagieren. Wir haben herausgefunden, dass die Menschen dann kürzere Antworten gegeben haben. Sie wissen dann: Da sitzt kein echter Mensch am anderen Computer.

rbb: Meiner Erfahrung nach will KI im Gespräch gefallen und stellt sich auf die Antworten des Gegenübers ein. Könnte auch das eine Erklärung sein, vielleicht die fehlende Fähigkeit, auch kritische oder unangenehme Fragen zu stellen?

Tobias Kleinert: Dass KI grundsätzlich nur höflich ist, würde ich nicht bestätigen. Das kann man manipulieren. Aber dass der Standard-Output erstmal höflich und kooperativ ist, hat geholfen, zu diesem Deep-Talk-Effekt beizutragen – dass die Personen, die mit der KI interagiert haben, sich ihr danach näher gefühlt haben als zu anderen Menschen. KI wird sich in der Regel nicht unflätig äußern oder Kritik äußern, außer man bittet sie darum. Das könnte man in zukünftigen Studien ausprobieren.

rbb: Wo könnte man das einsetzen? Welche Chancen bringen die Ergebnisse Ihrer Studie mit sich?

Tobias Kleinert: Sprach-KI-Modelle können in emotionalen Gesprächen positive soziale Reaktionen auslösen. Das könnte helfen, in Bereichen zu entlasten, in denen emotionale Kommunikation wichtig ist, zum Beispiel im Gesundheitswesen: mehr Patienten, eine alternde Gesellschaft, überlastete Mitarbeitende. KI könnte helfen, Patienten zu informieren oder zu begleiten, Wartezeiten zu überbrücken oder einen sozialen Kontakt für einsame ältere Menschen bereitzustellen oder Menschen mit begrenztem Zugang zu Therapie zu unterstützen. Dazu gibt es erste Studienbefunde, dass KI in niedrigschwelligen therapeutischen Bereichen einsetzbar ist und unterstützen kann.

Wichtig ist: KI kann menschliche Therapeutinnen und Therapeuten nicht ersetzen. Dafür ist das Risiko zu hoch, dass es zu ungenauen oder unangemessenen Reaktionen kommt, und es ist unklar, wer die Verantwortung trägt. Besser wäre eine menschlich kontrollierte und gezielte Nutzung für bestimmte Zwecke.

rbb: Wo wird es gefährlich?

Tobias Kleinert: Wenn Menschen mit der KI interagieren und die KI zum Beispiel die Rolle eines Therapeuten einnimmt, dann geht es in diesen Gesprächen immer um mich. Es ist nicht wie bei menschlichen Gesprächen ein gegenseitiges Gespräch. Die KI ist 24 Stunden am Tag verfügbar. Die KI äußert sich, wenn ich das nicht möchte, nicht kritisch über meine Ideen. Das birgt die Gefahr, dass man eine emotionale Abhängigkeit zur KI entwickelt und umgekehrt gar nicht mehr so großes Interesse an echten menschlichen Interaktionen hat, von denen wir wissen, dass die extrem wichtig sind für die psychische Gesundheit. Es gab Fälle, dass Menschen mit KI sehr intensive Beziehungen aufgebaut haben und die KI aus Update-Gründen nicht mehr verfügbar war. Das hat diese Menschen teilweise in große Krisen gestürzt.

Tobias Kleinert

Die Fähigkeit von KI, Gefühle von Nähe zu erzeugen, kann manipulativ genutzt werden, zum Beispiel für Daten- oder Geldbetrug. Deshalb brauchen wir gerade im Umgang mit Kindern und Jugendlichen klare Regeln, ethische Leitlinien und Aufklärung.

rbb: Was würden Sie denn Eltern raten, die ihre Studie lesen? Sollen sie ihren Kindern das verbieten oder wie sollen sie damit umgehen?

Tobias Kleinert: Den Kontakt zur KI grundsätzlich zu verbieten, halte ich nicht für sinnvoll. KI ist eine gigantische technische Neuerung, auch mit großen Chancen. Aber sie kann missbraucht werden, sie steht allen offen, auch unethischen Akteuren oder Unternehmen. Die Fähigkeit von KI, Gefühle von Nähe zu erzeugen, kann manipulativ genutzt werden, zum Beispiel für Daten- oder Geldbetrug. Deshalb brauchen wir gerade im Umgang mit Kindern und Jugendlichen klare Regeln, ethische Leitlinien und Aufklärung, damit KI verantwortungsvoll eingesetzt wird. Der Job der Gesellschaft ist, die Risiken zu minimieren und die Chancen zu maximieren. Das muss das Ziel sein.

rbb: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Johanna Steinlen, Mitarbeit: Sebastian Schneider. Sie lesen eine gekürzte, redigierte Fassung des Gesprächs.

Bremen: Beschäftigte im Öffentlichen Dienst in Bremen legen Arbeit nieder

Lehrkräfte im Warnstreik: GEW-Mitglieder protestieren
Lehrkräfte im Warnstreik: GEW-Mitglieder protestieren (© Imago)

Die Gewerkschaften Verdi, GEW und GdP haben auch in Bremen und Niedersachsen zum ganztägigen Warnstreik im Öffentlichen Dienst aufgerufen. Mit Einschränkungen muss gerechnet werden.

Unter anderem an Schulen, Hochschulen und in der öffentlichen Verwaltung in Bremen und Bremerhaven sind die Beschäftigten aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass Anliegen beim Bürgerservice nur verzögert bearbeitet werden oder vereinbarte Termine ganz ausfallen.

Aber auch Autofahrerinnen und Autofahrer müssen sich gegebenenfalls erneut auf gesperrte Tunnel und Brücken einstellen. Auch in Niedersachsen wird gestreikt. Dort könnten unter anderem die Uniklinken Hannover und Göttingen betroffen sein.

Kundgebungen sind sowohl in Hannover als auch in Bremen geplant. Hier ziehen die Demonstranten von der Bremer Bürgerweide über den Rembertiring zum Sitz des Finanzsenators am Rudolf-Hilferding-Platz. Dort soll dann die Kundgebung stattfinden.

Hessen: Von Gabelstapler angefahren: Mann stirbt bei Arbeitsunfall in Hanau

Ein Fahrzeug des Rettungsdienstes auf einer Straße am Rande eines Firmengeländes
Ein Fahrzeug des Rettungsdienstes auf einer Straße am Rande eines Firmengeländes (© 5vision.news)

Ein 54 Jahre alter Mann ist auf dem Gelände einer Firma in Hanau von einem Gabelstapler angefahren und tödlich verletzt worden. Die Polizei ermittelt nun gegen den Fahrer.

Rettungsdienst und Polizei wurden am Montag kurz vor 13 Uhr zu dem Industriegelände in Hanau gerufen, wie die Polizei am Dienstagmorgen mitteilte. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte ein Gabelstaplerfahrer den 54-Jährigen übersehen und erfasst.

Dieser wurde bei dem Zusammenstoß so schwer verletzt, dass er noch vor Ort starb. Der Mann hatte auf dem Gelände gerade etwas abliefern wollen, als der Arbeitsunfall passierte.

Gabelstaplerfahrer unter Schock

Der Gabelstaplerfahrer wurde nach dem Vorfall wegen eines Schocks ins Krankenhaus gebracht. Wie es genau zu dem Unfall kommen konnte, soll ein Gutachter klären. Das Amt für Arbeitsschutz wurde ebenfalls informiert.

Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Fahrer. Das sei bei einem solchen tödlichen Arbeitsunfall üblich, sagte ein Sprecher dem hr.

Nordrhein-Westfalen: Bis zu 10.000 Menschen erwartet: Warnstreik in Düsseldorf

Auf einer Trillerpfeife ist das Logo der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zu sehen
Auf einer Trillerpfeife ist das Logo der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zu sehen (© Oliver Berg / dpa)

Wegen des Warnstreiks im öffentlichen Dienst gibt es heute eine Großdemonstration in Düsseldorf. Außerdem sind fünf Landstraßen-Tunnel in NRW gesperrt.

Zum Warnstreik aufgerufen haben mehrere Gewerkschaften im Rahmen der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Menschen aus Schulen, Unikliniken, der Polizei, Behörden, Justiz und aus der Landesverwaltung in Düsseldorf werden bei der landesweiten Großdemonstration erwartet.

Bis zu 10.000 Streikende

Etwa 5.000 Streikende treffen sich am Vormittag ab 11 Uhr auf den Rheinwiesen im linksrheinischen Stadtteil Oberkassel. Von dort aus ziehen sie stadteinwärts über die Kniebrücke zum Graf-Adolf-Platz. Dort treffen sie gegen Mittag auf etwa 5.000 weitere Demonstranten, die sich erst in Nähe des Finanzministeriums sammeln.

Gemeinsam laufen sie dann zu einer Kundgebung vor den Landtag. Die Polizei rechnet in jedem Fall mit Verkehrsstörungen rund um die Laufwege der Streikenden.

Mindestens 300 Euro mehr Gehalt

Mit der Großdemo soll einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden. Die Gewerkschaft Ver.di fordert unter anderem sieben Prozent, aber mindestens 300 Euro mehr Gehalt. Außerdem 200 Euro mehr für Auszubildende, Studierende und Praktikantinnen und Praktikanten.

Fünf Landstraßen-Tunnel in NRW gesperrt

Weil auch Mitarbeiter des Kontrollraums der Landesverkehrszentrale zum Streik aufgerufen sind, sind am Dienstag für mehrere Stunden fünf Landstraßen-Tunnel gesperrt. Betroffen sind diese Landstraßen und Tunnel in beide Fahrtrichtungen:

  • L70: Kiesbergtunnel (Wuppertal)
  • L107: Tunnel Velbert-Langenberg
  • L614: Emmerauentunnel
  • L666n: Tunnel Engelbert
  • L751: Tunnel Menkhauser Berg

Erst gestern haben in mehreren Städten an Rhein und Ruhr Beschäftigte von Kindertagesstätten der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gestreikt. Rund 300 Mitarbeitende haben sich auf dem Shadowplatz in Düsseldorf getroffen. Sie ärgert vor allem, dass die Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde bislang überhaupt noch kein Angebot gemacht hätten.

Unsere Quellen:

  • Ver.di
  • Polizei Düsseldorf

Rheinland-Pfalz: Verdächtiger war offenbar schon vorher auffällig

Kerzen und Blumen erinnern auf dem Bahnsteig am Bahnhof in Landstuhl an den getöteten Bahnmitarbeiter Serkan C. Der mutmaßliche Täter war offenbar bereits vor der Tat auffällig geworden.
Kerzen und Blumen erinnern auf dem Bahnsteig am Bahnhof in Landstuhl an den getöteten Bahnmitarbeiter Serkan C. Der mutmaßliche Täter war offenbar bereits vor der Tat auffällig geworden. (© dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter bei Landstuhl hat bundesweit für Entsetzen gesorgt. Jetzt wurde bekannt, dass der Verdächtige offenbar schon früher am Tag einen Polizeieinsatz ausgelöst hatte.

Wie der "Spiegel" berichtet, holten Bundespolizisten den 26-Jährigen am Tag der Tat bereits um 11:50 Uhr in Kaiserslautern aus einem aus Frankreich kommenden TGV - offenbar, weil der Mann gegen eine Tür trat. Da die Tür unbeschädigt geblieben sei und der Mann über ein Ticket verfügt habe, sei der Vorgang für ihn jedoch ohne strafrechtliche Folgen geblieben.

Zugbegleiter stirbt durch Faustschläge

Der gleiche Mann wurde dann gegen 17:45 Uhr in einem Regionalexpress in der Nähe von Landstuhl von einem Zugbegleiter kontrolliert, der ihn wegen eines nun fehlenden Fahrscheins des Zuges verweisen wollte. Der Schwarzfahrer attackierte den Zugbegleiter mit heftigen Faustschlägen, dieser wurde lebensgefährlich verletzt und starb später.

Alleinerziehender Vater zweier Kinder

Bei dem Getöteten handelt es sich laut Bahn um einen alleinerziehenden Vater zweier Kinder, der 36-Jährige starb laut Staatsanwaltschaft an einer Hirnblutung infolge stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Der Tatverdächtige wurde festgenommen. Der Vorfall vom 2. Februar hatte in Deutschland für Entsetzen gesorgt. Am Freitag soll auf einem Sicherheitsgipfel über mehr Schutz in der Bahn diskutiert werden.

Saarland: Tödliche Attacke in Zug: Mutmaßlicher Täter war wohl schon vorher auffällig

Ein Fahrzeug der Bundespolizei steht an der Bahnstrecke
Ein Fahrzeug der Bundespolizei steht an der Bahnstrecke (© picture alliance/dpa | David Young)

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in der vergangenen Woche sind nun neue Details zum mutmaßlichen Täter bekannt geworden. Der Mann soll an dem Tag in einem anderen Zug gegen eine Tür getreten haben. Der 26-Jährige schweigt nach wie vor zu den Vorwürfen.

Der Mann, der einen Zugbegleiter tödlich verletzt hat, war am Tattag schon einmal auffällig geworden. Wie das Magazin "Spiegel" berichtet, hatten Bundespolizisten den 26-Jährigen bereits am Mittag in Kaiserslautern aus einem aus Frankreich kommenden TGV-Zug geholt. Dort habe er gegen eine Tür getreten.

Weil kein Schaden entstanden sei und er über ein Ticket verfügt habe, habe es keine strafrechtlichen Folgen gegeben. Am Abend kam es dann im Regionalexpress nach Homburg zu der tödlichen Attacke auf den 36-jährigen Zugbegleiter.

Zugbegleiter starb an Hirnblutung

Der 26-Jährige soll den 36-Jährigen durch Faustschläge so schwer verletzt haben, dass dieser zunächst wiederbelebt werden musste. Zwei Tage später starb der Zugbegleiter dann im Krankenhaus an einer Hirnblutung. Der mutmaßliche Täter schweigt laut dem Spiegel-Bericht weiter zu den Vorwürfen.

Nach dem Angriff wurde mehr Sicherheit für Bahnmitarbeitende gefordert. Am Freitag soll auf einem Sicherheitsgipfel in Berlin über mehr Schutz in der Bahn diskutiert werden.

Sachsen: Falsche Handwerker überfallen und fesseln Opfer

Gefesselte Hände einer Frau (Symbolbild)
Gefesselte Hände einer Frau (Symbolbild) (© Colourbox.de)

Die Polizei fahndet nach zwei Männern, die sich als falsche Handwerker Zutritt in eine Wohnung verschaft haben. Die Gesuchten haben einen Mann in Leipzig mit der Masche überwältigt, gefesselt und bestohlen.

Nötige Reparaturarbeiten wegen Wasserschaden vorgegeben

Zwei Männer haben einen Mann in Leipzig überrumpelt, indem sie vortäuschten, Handwerker zu sein. Sie gaben vor, in einer Wohnung unter ihm gäbe es einen Wasserschaden und sie müssten prüfen, ob es in seiner Wohnung ein Leck an den Leitungen gäbe.

Die Tat ereignete sich einen Tag vor Weihnachten, um 8:15 Uhr in aller Frühe. Die Polizei bittet um Hinweise und hat deswegen auch am 8. Februar 2026 im MDR-Magazin Kripo live über den Fall berichtet.

Opfer überfallen, in die Wanne gedrückt und gefesselt

Bei den Tätern handelt es sich um "zwei Männer in Arbeitskleidung, um die 20 Jahre", erklärte Tom Erik Richter, Polizeikommissar in Leipzig, im MDR-Magazin Kripo live. Einer der Täter hatte nach Polizeiangaben hinter dem 28-jährigen Mieter gestanden, während der zweite Mann so tat, als würde er Reparaturarbeiten verrichten. Plötzlich sei das Opfer in die Wanne gedrückt und gefesselt worden.

Nachbarin konnte Opfer mit Schlüssel für Notfälle befreien

Während einer der Täter den jungen Mann in der Badewanne bewacht habe, sei der zweite auf Diebeszug in der Wohnung gegangen. Dabei sei es ihm gelungen, eine vierstellige Summe zu erbeuten.

Durch die in der Wohnung entstandenen Geräusche sei eine Nachbarin auf das Geschehen in der Wohnung aufmerksam geworden. Die Frau habe für Notfälle einen Wohnungsschlüssel gehabt und wollte nachsehen, ob alles in Ordnung sei. Als sie die Wohnungstür öffnete, seien die Täter an ihr vorbeigerannt und geflüchtet.

Nach diesen Männern wird gesucht: zwei Täterbeschreibungen

Am Tatort sind nach Polizeiangaben DNA-Spuren gesichert worden. Es werde wegen schweren Raubes ermittelt, weil das Opfer gefesselt wurde. Von den Gesuchten konnten durch die Zeugen einige Details beschrieben werden. Die Polizei sucht nun zwei Personen mit folgenden Merkmalen:

Person 1

• männlich
• circa 25 Jahre alt
• circa 1,75 Meter bis 1,80 Meter groß
• schlanke Statur
• dunkelbrauner Vollbart
• trug einen Werkzeugkoffer mit sich
• Bekleidung: schwarzer Pullover, schwarze Arbeitshose, schwarze Schuhe, schwarze Mütze

Person 2:

• männlich
• circa 25 Jahre alt
• circa 1,90 Meter bis 1,95 Meter groß
• kräftige Statur
• Bekleidung: Schwarzer Pullover, schwarze Arbeitshose, schwarze Mütze

Polizei want vor falschen Handwerkern: So schützen Sie sich!

Immer wieder kommt es vor, dass sich Kriminelle den Zutritt in Wohnungen erschleichen - unter dem Vorwand, es müsse etwas repariert werden. "Die Polizei empfiehlt, sich möglichst einen Ausweis zeigen zu lassen. Weiterhin sollte man sich natürlich vorher informieren, ob ein Termin von Handwerkern geplant ist. Das kündigt der Vermieter im Regelfall vorher an. Und wenn man sich nicht sicher ist, lassen Sie die Person nicht rein, lassen Sie die Tür geschlossen", rät deswegen Polizeikommissar Richter.

Sachsen-Anhalt: Prozess zum Magdeburg-Attentat soll im November beginnen

Gebäude hinter einem Zaun mit Banner, auf dem "Landgericht Magdeburg" steht
Gebäude hinter einem Zaun mit Banner, auf dem "Landgericht Magdeburg" steht (© dpa)

Im Prozess um den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg sind bisher 45 Termine bis März 2026 angesetzt. Fast 200 Menschen sind beteiligt. Für das Verfahren wurde extra ein Gerichtsgebäude errichtet. Ein Überblick über das bisher Geschehene.

18. Prozesstag: Gutachter beantwortet weitere Fragen

Am 18. Verhandlungstag (9. Februar) haben weitere Betroffene geschildert, wie der Anschlag sie auch heute noch belastet. Zudem kam erneut der psychiatrische Sachverständige zu Wort, der beim vorangegangenen 17. Prozesstag seine Einschätzung zu Taleb A. vorgestellt hatte. Er beantwortete Fragen zu dem Gutachten und erklärte die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die er beim Angeklagten sieht.

17. Prozesstag: Angeklagter voll schuldfähig

Am 17. Verhandlungstag (28. Januar) wurde ein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten vorgestellt. Der psychiatrische Sachverständige erklärte, Taleb A. sei voll schuldfähig und für seine Tat voll zur Rechenschaft zu ziehen. Der Gutachter sprach sich zudem dafür aus, dass der Angeklagte in der Sicherungsverwahrung untergebracht wird.

16. Prozesstag: Posts des Attentäters gezeigt

Am 16. Verhandlungstag (27. Januar) wurden vor Gericht Audios und Videos präsentiert, die der Angeklagte am Tag des Anschlags im Internet verbreitet hatte. Darin thematisiert Taleb A. unter anderem verschiedenen Strafanzeigen, die er in der Vergangenheit gestellt hat, beispielsweise gegen die Säkulare Flüchtlingshilfe in Köln, und einen USB-Stick mit Beweisen, der ihm gestohlen worden sei.

A. betont mehrfach, dass er sich für Frauen eingesetzt hat, denen Unrecht angetan wurde und wirft deutschen Behörden wie Polizei und Staatsanwaltschaft vor, sie ermittelten nicht nach seinen Hinweisen auf Straftaten, gingen stattdessen aber gegen ihn vor.

15. Prozesstag: Zeugen sagen unter Tränen aus

Der 15. Prozesstag am 13. Januar war nach Angaben eines MDR-Reporters vor Ort besonders emotional. Vor Gericht sagten sechs Zeugen aus, die den Anschlag vor Ort miterlebt haben. Unter ihnen war auch ein 13-jähriges Mädchen, das beim Anschlag verletzt schwer wurde. Auch der Vater des Mädchens kam zu Wort.

Emotional wurde auch ein weiterer Zeuge, der den Angeklagten direkt ansprach. Mehrere Betroffene berichteten von psychischen Spätfolgen, unter denen sie nach wie vor leiden. Der Richter kündigte zusätzliche Prozesstage an.

14. Prozesstag: Persönlicher Werdegang von Taleb A. im Fokus

Am 14. Verhandlungstag (8. Januar) ging es um den persönlichen Werdegang des angeklagten Taleb A. Er sprach etwa von Traumata aus seiner Kindheit. Auch mit seiner Zeit als Arzt befasste sich das Gericht. Über die Jahre hat der Angeklagte mehrere zehntausend Euro an Schulden angehäuft.

Am Nachmittag wurden Erklärungen des Angeklagten verlesen, die er im Gefängnis geschrieben hatte. Darin hieß es unter anderem, dass er weiter Deutsche "abschlachten" wolle.

13. Prozesstag: Verhandlungstag ohne Taleb A.

Der 13. Verhandlungstag fand ohne den Angeklagten statt. Er war aus Sicht der JVA Burg nicht verhandlungsfähig. Das Gericht sah dafür einen Hunger- und Durststreik Taleb A.s für ursächlich. Die Verteidigung wies dies ab und kündigte weitere Schritte an.

Als Zeugen waren der ehemalige ärztliche Direktor und ein Psychologe der Haftanstalt in Bernburg – dem ehemaligen Arbeitsplatz von Taleb A. – geladen. Es ging vor allem um eine E-Mail, in der der Kollege bereits 2024 Auffälligkeiten gemeldet habe. Der Direktor sagt aus, er habe die Mail erst am Tag nach dem Anschlag vollständig gelesen.

Als letzte Zeugin sprach eine Ärztin. Sie hatte eines der Todesopfer, das im Krankenhaus nach dem Anschlag starb, behandelt. Sie berichtete von dessen Verletzungen. Ein medizinischer Gutachter bestätigte im Gericht, dass diese Verletzungen direkt durch die Amokfahrt des Angeklagten verursacht worden sind.

12. Prozesstag: Geschädigte berichten erschütternde Details

Am zwölften Prozesstag haben erneut mehrere Geschädigte des Anschlags ausgesagt. Sie standen an unterschiedlichen Orten, als Taleb A. sein Auto in die Menschenmenge steuerte. Was ihre Berichte eint: Der Schock, das erlebte Chaos und die Erschütterung über die vielen Verletzten – und die psychischen Folgen, die ihnen heute noch zu schaffen machen.

Eine medizinische Fachangestellte berichtete, wie sie trotz ihrer Verletzungen bis zum späten Abend vor Ort geholfen hat. Heute habe sie keinen Spaß mehr an ihrer Arbeit, kämpfe jeden Tag. Auch ein Berufssoldat hat monatelange medizinische, physiotherapeutische und psychologische Hilfe benötigt, um zumindest wieder vier Tage pro Woche arbeiten zu können. Ein Vater schilderte, wie schwer sein fünfjähriger Sohn verletzt wurde und wie stark der Anschlag die Familie bis heute belastet. Eine Geflüchtete aus der Ukraine und ihr Bruder erklärten, wie die Situation auf dem Alten Markt sie an den Krieg erinnerte – und wie sie den Anschlag bis heute verarbeiten.

Offenbar haben inzwischen weitere Zeugen Mut gefasst, im Prozess auszusagen. Der Vorsitzende Richter und ein Anwalt der Nebenklage nannten insgesamt sechs weitere Personen, die voraussichtlich am 13. Januar gehört werden sollen. Der erste Prozesstermin 2026 ist am 8. Januar. Dann sollen unter anderem Briefe des Attentäters gezeigt werden. Dem Richter zufolge werden allerdings auch insgesamt 2.800 Seiten Dokumente im sogenannten Selbstleseverfahren stattfinden. Dadurch könnten mehrere Prozesstermine entfallen.

11. Prozesstag: Mutter des getöteten Neunjährigen sagt aus

Am 11. Prozesstag sagten wie an den vergangenen Prozesstagen Geschädigte des Anschlags aus, insgesamt sieben Personen. Darunter auch die Mutter eines Getöteten – einem neunjährigen Jungen aus Niedersachsen. "Er war ein kleiner süßer Chaot. Er war so liebenswert. Hat jeden verzaubert mit seinen Augen, war immer höflich. Ein absolut herzliches Kind", sagte sie vor Gericht.

Die Zeugen schilderten ihre Eindrücke vom Weihnachtsmarkt zum Tatzeitpunkt im vergangenen Dezember, einige von ihnen waren als Ersthelfer vor Ort, andere wurden bei dem Anschlag selbst schwer verletzt. Viel Raum in den Aussagen nahm die Zeit nach der Tat ein. Die Betroffenen sprachen von physischen und psychischen Problemen. Sie berichteten von Traumata, ihren Psychotherapien und wie schwer es sei, am normalen Leben teilzunehmen. Einige sind bis heute krankgeschrieben und stecken in finanziellen Problemen.

Laut MDR-Reportern verdeckte Taleb A. bei einigen Aussagen sein Gesicht und wirkte sichtlich mitgenommen.

Zum Abschluss des Verhandlungstages merkte der Richter an, dass sich weitere Betroffene, die gerne aussagen möchten, beim Gericht melden sollen. Sie würden dann im Januar gehört.

10. Prozesstag: Mediziner und Ersthelfer sagen aus

Am zehnten Prozesstag sagten medizinische Sachverständige sowie eine Ersthelferin aus, die den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt miterlebt hatte.

Sie schilderten die Verletzungen, an denen einige der Opfer starben. Teilweise seien diese so schwer gewesen, dass eine Rettung nur unmittelbar neben einem Operationstisch möglich gewesen wäre.

Eine Ärztin befand sich am Abend des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt und versuchte dort, ein Kind zu reanimieren. Trotz aller Bemühungen starb das Kind noch am Tatort. Im Prozess sagte sie: "Ich dachte, ich hätte das Schlimmste schon gesehen nach 30 Jahren Notdienst. Aber dieser Abend… man rechnet nicht damit, dass ein Auto einen umbringen will, dass es eine Handbreit an einem vorbeifährt."

Auch eine weitere Nebenklägerin kam zu Wort. Sie wurde bei dem Anschlag verletzt. Seit dem Attentat ist sie krankgeschrieben, meidet Menschenmengen und öffentliche Orte und erledigt ihre Einkäufe fast ausschließlich online. Ihr Sicherheitsgefühl sei verloren gegangen; die psychischen Folgen prägten ihren Alltag und ihre Zukunft.

9. Prozesstag: Weitere Betroffene berichten vom Anschlag

Am neunten Prozesstag kamen acht Betroffene des Anschlags zu Wort, darunter eine Frau, die ihre Mutter verloren hat.

Sie schilderten teils emotional, wie sie die Amokfahrt erlebt haben. Viel Raum in den Aussagen nahm auch die Zeit nach dem Anschlag ein. Die Betroffenen berichten davon, wie sie noch Monate nach der Tat psychisch und physisch damit zu kämpfen hatten und haben. Bis heute sind sie überwiegend in Behandlung. Trotzdem stellen viele der Zeugen heraus, wie wichtig es ihnen ist, vor Gericht auszusagen, um auch ihre Stimmen hörbar zu machen.

Der Angeklagte Taleb A. wollte nach den Aussagen mehrfach eigene Erklärungen abgeben. Dies verwehrte ihm der Richter.

8. Prozesstag: Betroffene sagen erstmals selbst aus

Am achten Prozesstag waren vier Zeugen vor Gericht geladen. Ein Rechtsmediziner aus Halle berichtete über die Ergebnisse der Obduktionen von drei der sechs Todesopfern des Anschlags. Am Nachmittag schilderten drei Zeugen der Tat, was sie auf dem Weihnachtsmarkt erlebt haben. Unter ihnen ein Mann, an dem Taleb A. nur wenige Meter entfernt vorbei fuhr. Er sagt vor Gericht, dass er den Eindruck hatte, dass der Attentäter so viele Menschen, wie möglich erwischen wollte.

7. Prozesstag: Diskussion mit Zeugen, Aufruhr im Gerichtssaal

Am siebten Prozesstag in Magdeburg hat das Gericht unter anderem persönliche Bekannte von Taleb A. befragt. Unter den sechs Zeugen waren ein Ermittler, zwei ehemalige Anwälte sowie zwei Personen, zu denen der Angeklagte Kontakt aufgenommen hatte, um Hilfe für Geflüchtete zu suchen. Sie berichteten von früheren Konflikten mit A., auch mit der Säkularen Flüchtlingshilfe in Köln. Der Polizeibeamte sagte, der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt sei als "Racheakt gegen die deutsche Bevölkerung" motiviert gewesen.

Taleb A. bekam mehrfach die Gelegenheit, sich zu den Aussagen der Zeugen zu äußern und ihnen Fragen zu stellen. Reporter vor Ort schilderten die Befragungen als intensiv und teils unsachlich. Der Vorsitzende Richter ermahnte A. und stellte ihm am Nachmittag schließlich das Mikrofon ab. Daraufhin reagierte A. Beobachtern zufolge wütend. Justizbeamte überwältigten ihn und führten ihn aus dem Saal ab. Die Sitzung wurde kurzzeitig unterbrochen.

6. Prozesstag: Ermittler schildern Eindrücke vom Tatort

Am sechsten Verhandlungstag haben Polizistinnen und Polizisten ausgesagt, die am Abend des Anschlags am Tatort eingesetzt waren. Sie berichteten unter anderem, wie sie das Geschehene am Tatort dokumentiert und Spuren gesichert haben. Eine Zeugin schilderte zudem, was sie bei der Durchsuchung im Tatfahrzeug fanden, unter anderem ein Testament von Taleb A. und mehrere Handys. Zudem wurden vor Gericht Fotos vom Tatort gezeigt.

5. Prozesstag: Ehemalige Kollegen von Taleb A. sagen aus

Am fünften Prozesstag am Mittwoch stand das ehemalige Arbeitsverhältnis des Angeklagten im Fokus. Taleb A. war von März 2020 bis Dezember 2024 im Maßregelvollzug in Bernburg als Facharzt für Psychiatrie tätig. Ehemalige Kollegen sagten vor Gericht, dass sie den Angeklagten als unsicheren Menschen sowie unzuverlässigen Kollegen mit geringer Integrationsbereitschaft sowie häufigen Fehlzeiten erlebten.

Weil zwei für Mittwoch geladene Zeugen nicht erschienen, zeigte der Richter am Nachmittag ein Video von der Vernehmung Taleb A.s am Tag nach dem Anschlag. Bei der Vernehmung machte der Angeklagte zum Teil wirre Aussagen, die die Polizisten nicht in Zusammenhang mit dem Anschlag bringen konnten.

4. Prozesstag: Zeugen schildern Festnahme von Taleb A.

Der vierte Verhandlungstag am Montag stand im Zeichen des Polizeieinsatzes. Zehn beteiligte Polizisten haben ausgesagt. Sie waren am Abend des Anschlags im Einsatz und am Morgen danach. Unter anderem wurden die Festnahme und die Vernehmung von Taleb A. ausführlich geschildert. Auch Fragen zum Sicherheitskonzept wurden gestellt. Der Angeklagte selbst erklärte seinen Hungerstreik und beklagte sich zum wiederholten Mal, von deutschen Behörden nicht ernst genommen worden zu sein.

3. Prozesstag: Tatfahrzeug im Fokus

Der dritte Prozesstag am Donnerstag wurde von mehr Zuschauern verfolgt als die Termine zum Auftakt. Die Gäste folgten Ausführungen eines Sachverständigen zum Tatfahrzeug. Demnach hat Taleb A. das Gaspedal voll durchgedrückt und fuhr mit bis zu 50 km/h über das Marktgelände. Außerdem wurden Videos von der Tat gezeigt, was Zuschauer "erschreckend" und "unfassbar grauenvoll" fanden.

Klar wurde auch, dass nicht alle Zeuginnen und Zeugen persönlich aussagen werden. Damit könnte sich der Prozess verkürzen.

2. Prozesstag: Angeklagter spricht stundenlang

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt sprach der Angeklagte Taleb A. stundenlang und wurde mehrfach vom Richter ermahnt. Er schilderte die Fahrt als langsam, habe keine Verletzten bemerkt und erst später von Todesopfern erfahren. Mitleid verspürte er nach eigener Aussage nicht. Als Motiv nannte der 51-Jährige Konflikte mit deutschen Behörden und mangelnde Hilfe für saudische Frauen.

1. Prozesstag: Prozessauftakt ohne Reue, Opfer verlassen den Saal

Die Verlesung der umfangreichen Anklageschrift zu Beginn des Prozesses am 10. November verfolgte der Attentäter fast regungslos. Viele der 177 Nebenkläger hingegen reagierten emotional.

Am Nachmittag begann Taleb A. mit seinen eigenen Ausführungen, in denen er sprunghaft Themen zu Religion, Medien und Politik anriss. Zu der Tat selbst gestand er auf Nachfrage lediglich, das Auto gefahren zu haben. Der Angeklagte sitzt während des Prozesses in einem gesicherten Glaskasten. Von dort heraus zeigte er kryptische Botschaften auf seinem Laptop. Der Richter ermahnte ihn deshalb.

Prozessort: Temporäres Gerichtsgebäude mit Platz für 700 Menschen

Das für den Prozess errichtete temporäre Gerichtsgebäude ist insgesamt rund 4.700 Quadratmeter groß, der Gerichtssaal umfasst 2.000 Quadratmeter. Er bietet Platz für rund 700 Menschen und erfüllt höchste Sicherheitsstandards. Die meisten Plätze blieben zum Auftakt des Prozesses aber leer.

Anklage im Detail: Hunderte Opfer und ein hoher Sicherheitsaufwand

Am 19. August hatte die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg Anklage gegen Taleb A. erhoben. Dem Attentäter werden der Mord an sechs Personen, der versuchte Mord an 338 Personen sowie gefährliche Körperverletzung in 309 Fällen vorgeworfen. Ihm droht laut Landgericht eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Thüringen: Leuchtenburg bekommt bald einzigartiges Kunstwerk

Porzellanteppich Leuchtenburg
Porzellanteppich Leuchtenburg (© Anke Preller)

Am Berg der Leuchtenburg im Osten Thüringens wird fleißig gebaut. Bis zum Sommer soll dort ein Aufzug entstehen, der einen bequemen und barrierefreien Zugang zur Burg ermöglicht. Doch nicht nur das: Die Stiftung Leuchtenburg hat außerdem ein besonderes Kunstwerk in Auftrag gegeben, um Besucher schon am Aufzug auf die Schau zur Porzellangeschichte einzustimmen.

  • In Reichenbach tüfteln der Künstler Alim Pasht-Han und die dortige Porzellanmanufaktur gemeinsam an einer Wandinstallation.
  • Das Kunstwerk ist inspiriert vom Erdreich unter der Leuchtenburg und erinnert an schlummernde Schätze im Boden.
  • Mit dem Abschluss der Bauarbeiten im Sommer soll an der Burg ein neues Kaptiel starten.

Ein riesiger Wandteppich soll es einmal werden – 13 mal zweieinhalb Meter groß – mit eingearbeiteten Porzellangebilden. Die Kombination Porzellan und Wolle klingt vielleicht verrückt, ist aber machbar, sind die befreundeten Künstler Alim Pasht-Han und Murat Haschu überzeugt. Beide stammen aus dem Nordkaukasus, leben und arbeiten auch in Deutschland. Alim Pasht-Han beschäftigt sich schon seit 20 Jahren mit dem Werkstoff Porzellan.

Porzellankunst aus Thüringen brach bereits Weltrekorde

Für das Projekt arbeitet er mit der Porzellanmanufaktur Reichenbach zusammen – experimentierfreudige Partner, mit denen Alim Pasht-Han in der Vergangenheit schon die weltgrößte Porzellanvase ertüftelt hatte: Acht Meter hoch, zusammengesetzt aus 360 kunstvoll bemalten Porzellanwaben, ist sie seit 2015 in der Porzellanwelten-Schau auf der Leuchtenburg zu bewundern.

Nun arbeitet er wieder in Reichenbach, wo die phantasievollen Porzellangebilde für die Wandinstallation entstehen. Die schneide er aus einer Porzellanplatte, erklärt der Künstler, ganz ohne Entwurf: "Das mache ich alles roh."

Berg der Leuchtenburg inspirierte Kunstwerke

Während in Reichenbach die etwa 30 zerbrechlichen Teile des Teppichs entstehen, arbeitet Murat Haschu in seinem Atelier in Halle an der textilen Oberfläche. Er nutze die sogenannte Tuftingtechnik, um die farbigen Wollgarne auf ein gespanntes Trägermaterial zu bringen. Das sehe zwar aus wie handgeknüpft, erklärt er, allerdings sei die Arbeit mit der Tuftingpistole deutlich schneller: "Das ist ein bisschen wie Malerei mit Wolle. Da hat man viel mehr Freiheit, finde ich."

Inspiriert hat die Künstler ein geologischer Schnitt am Berg der Leuchtenburg, der die sonst verborgenen farbigen Schichten aus Buntsandstein und Muschelkalk sichtbar macht. Genau die wollen sie mit ihrer riesigen Wandinstallation nachempfinden, wobei die Porzellangebilde in der farbigen Teppichfläche wie im Berg schlummernde Schätze wirken.

Neues Kapitel der Burggeschichte startet im Sommer

Voraussichtlich im Juni wird der großformatige Wandteppich in der Talstation installiert. Bis dahin haben die Künstler noch gut zu tun. Und auch die Arbeiten am Burgberg gehen voran.

Die Kabine des neuen Aufzugs steht schon auf dem Gleis. Aktuell dürften aber noch keine Personen mitfahren, erklärt Kaiser bei MDR KULTUR, weil erst noch die technische Abnahme erfolgen müsse. "Das ist ja für uns auch ein ganz neues Kapitel in der Burggeschichte." Die Gäste können dann planmäßig ab Sommer das neue Wandbild bestaunen und den Aufzug nutzen.

Weitere Informationen zur Leuchtenburg

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: 9:00 bis 18:00 Uhr
November bis März: 10:00 bis 17:00 Uhr

Ticketpreise:

Erwachsene: 16,50€
Ermäßigt: 12,50€
Senioren: 15,50€

Hamburg: Nach Rohrbruch in Kirchdorf-Süd: Viele Menschen weiter ohne Strom

Eine Hochhaussiedlung in Kirchdorf-Süd.
Eine Hochhaussiedlung in Kirchdorf-Süd. (© TV Newskontor)

In einer Hochhaussiedlung in Hamburg-Wilhelmsburg sind viele Wohnungen auch nach mehreren Tagen ohne Strom. Dort hatten Wasserrohrbrüche in der Wohnsiedlung Kirchdorf-Süd am Freitag und Sonnabend bei zwei Hochhäusern für erhebliche Schäden gesorgt.

Die gute Nachricht für die betroffenen Mieterinnen und Mieter: Die meisten der insgesamt 160 Wohnungen sind zumindest warm, denn die Heizungen sind nicht betroffen. Viele Mieterinnen und Mieter nutzen dennoch ein Angebot des städtischen Wohnungsunternehmens SAGA, vorübergehend ins Hotel zu ziehen, andere kamen bei Freunden unter. Viele Menschen blieben aber auch ohne Strom in ihren Wohnungen.

Ursache für den Rohrbruch noch unklar

Laut SAGA platzten in den beiden Hochhäusern im Karl-Arnold-Ring und im Erlerring Feuerlöschleitungen, die erst vor acht Jahren erneuert worden waren. Wassermassen liefen durchs Treppenhaus und in die Fahrstuhlschächte. Die Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. In einer ersten Mitteilung hatte die Feuerwehr den Frost als mögliche Ursache vermutet.

Schadensumfang wird noch ermittelt

SAGA-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter gehen derzeit von Tür zu Tür und ermitteln, wie groß die Schäden in den einzelnen Wohnungen sind. Außerdem sind Elektrikerinnen und Elektriker vor Ort und führen Checks durch. Die Partei Die Linke kritisiert, dass das größte städtische Wohnungsunternehmen hilflos auf die Notlage reagiert habe. Die SAGA widerspricht und betont, neben der Übernachtung würden auch die Kosten für die Verpflegung im Hotel übernommen. Wer nicht mobil ist, könne zudem einen Pflegedienst für den Transport durchs Treppenhaus in Anspruch nehmen.

Mecklenburg-Vorpommern: Bei Ueckermünde: Online-Betrug beim Autokauf

Eine Person tippt auf einer Computertastatur und hält eine Bankkarte in der anderen Hand.
Eine Person tippt auf einer Computertastatur und hält eine Bankkarte in der anderen Hand. (© picture alliance / empics, Tim Goode)

Eine Mann aus Polen wollte einen bereits bezahlten Transporter abholen - doch das Fahrzeug gab es nicht.

Beim Autokauf im Internet ist ein 36-jähriger Mann Opfer von Betrügern geworden. Auf einer bekannten Gebrauchtwagenplattform kaufte er laut Polizei Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) einen Transporter samt Anhänger für rund 37.000 Euro. Nachdem er das Auto schon bezahlt hatte, wollte der Mann bei einem Händler im Großraum Ueckermünde den Wagen abholen. Dabei stellte sich heraus, dass die Betrüger ein falsches Inserat mit dem echten Namen eines Händlers erstellt hatten und das Auto nicht existierte.

Niedersachsen: Sögel: Alkoholisierter Mann fährt mit Auto in Hauswand

Ein Streifenwagen der Autobahnpolizei. Mann mit  3,1 Promille in Haus gefahren.
Ein Streifenwagen der Autobahnpolizei. Mann mit 3,1 Promille in Haus gefahren. (© Julius Matuschik)

Laut Polizei hat ein Atemalkoholtest einen Wert von etwa drei Promille ergeben. Der 46-Jährige verlor seinen Führerschein.

Ein alkoholisierter 46-Jähriger ist am Sonntag in Sögel (Landkreis Emsland) mit seinem Auto in eine Hauswand gefahren. Wie die Polizei mitteilte, kam der Mann mit seinem Wagen von der Fahrbahn ab und prallte damit auf der Einfahrt eines Familienhauses gegen die Wand. Anschließend versuchte er laut Polizei weiterzufahren und schrammte dabei an der Hauswand entlang. Zwei Bewohner des Hauses halfen dem Fahrer den Angaben zufolge aus dem Fahrzeug und alarmierten die Rettungskräfte. Ein Atemalkoholtest vor Ort habe einen Wert von 3,1 Promille ergeben. Der 46-Jährige blieb unverletzt, die Polizei zog allerdings seinen Führerschein ein. Die Beamten schätzen den Schaden an Auto und Hauswand auf etwa 22.000 Euro.

Schleswig-Holstein: Vernissage in Itzehoe: Hobbyfotografen stellen aus

Eine Kamera der Firma Rollei.
Eine Kamera der Firma Rollei. (© NDR, Jens Jenauer)

Fotografien von Motiven aus Steinburg können Besucherinnen und Besucher ab heute im Itzehoer Rathaus sehen.

Der Fotografie-Club "Blende 8" stellt von Dienstag an seine Bilder im Itzehoer Rathaus (Kreis Steinburg) aus. Unter dem Namen "L(i)ebenswertes Steinburg" zeigen die Hobbyfotografinnen und Hobbyfotografen Motive aus der Region. So möchten sie Menschen eine neue Sichtweise auf bereits Bekanntes zeigen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Heimat neu zu entdecken, heißt es vom Fotografie-Club Am Dienstagnachmittag um 16.15 Uhr findet eine Vernissage im Rathaus in Itzehoe statt. Zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses können Interessierte die Fotografien noch bis zum 30. Juni 2026 ansehen.